Thinking with Models: Modell als Methode architektonischen Entwerfens
Dienen physische Modelle als Entwurfs-, Erkenntnis- und Reflexionswerkzeug? Ein Abschlussprojekt untersucht den Einfluss physischer Modellstudien auf das Entwerfen am Beispiel der Transformation der ehemaligen irakischen Botschaft der DDR in Berlin.
Ausgangspunkt für meine Diplomarbeit bildete eine künstlerische Arbeit im Studium, in der ich Formfindungsprozesse anhand von Objekten im Maßstab 1:1 untersuchte. Aus diesem Vorprojekt entstand der methodische Ansatz meiner Abschlussarbeit: das Denken in physischen Modellen als Kern des Entwerfens. Ziel ist es, eine Praxis zu gestalten, in der Modelle nicht nachgelagerte Repräsentationen bereits getroffener Entscheidungen darstellen, sondern als zentrale Werkzeuge des Entwerfens, Entscheidens und Reflektierens dienen.
Modell als Methode
Die Methode basiert auf der seriellen und iterativen Herstellung von Modellreihen – von konzeptionellen Studien über volumetrische und räumliche Untersuchungen bis hin zu konstruktiven Details. Jedes Modell ist ein Zwischenstand innerhalb eines offenen Systems, das auf Vergleich und Weiterentwicklung setzt. Architektur entsteht dadurch nicht linear, sondern prozesshaft. Räumliche, strukturelle und programmatische Fragestellungen werden parallel im Modell verhandelt. Wiederholung und Variation machen Unterschiede sichtbar, überprüfen Maßstäbe und lassen Proportionen unmittelbar erfahrbar werden. Entscheidungen entstehen nicht aus der Optimierung eines einzelnen Zustands, sondern aus dem Vergleich mehrerer physisch greifbarer Möglichkeiten.
„The hand thinks and the thinking hand shapes the world“, schrieb Juhani Pallasmaa in „The Thinking Hand“. In Anlehnung daran begreife ich das Entwerfen als verkörperten Erkenntnisprozess. Denken vollzieht sich dabei nicht ausschließlich kognitiv, sondern im Zusammenspiel von Körper, Material und Handlung. Das Modell wird dabei so zum epistemischen Werkzeug, das Raum nicht nur vorstellt, sondern konkret macht und erfahrbar werden lässt.
Transformation als architektonische Haltung
Ausgehend vom Modell als epistemischem Werkzeug wird die Transformation der ehemaligen irakischen Botschaft der DDR in Berlin-Pankow zum Prüfstein der Methode. Daran lässt sich auch eine architektonische Haltung beschreiben. Der seit Jahrzehnten leerstehende Bau ist ein räumliches Dokument politischer Geschichte – ein Gebäude im Wartezustand. Gerade dieser Zustand des Dazwischen ist für mich von Interesse: nicht Abriss oder museale Konservierung, sondern Weiterbauen als bewusste Fortschreibung von Raum und Gestaltung.
Mein Konzept zur Transformation der ehemaligen Botschaft basiert daher auf Respekt vor dem Bestand, ohne ihn unangetastet zu lassen. Ich begreife das vorhandene Gebäude als strukturelles Gerüst, das analysiert, gelesen und transformiert werden kann. Ergänzungen entstehen nicht als Gegenbild, sondern als präzise Interventionen, die das Bestehende erweitern und neu interpretieren. Ob Anbau, Aufstockung oder eigenständiger Baukörper – jede Ergänzung positioniert sich im Dialog zwischen Alt und Neu.
So bedeutet Transformation für mich nicht Optimierung, sondern Aushandlung. In den seriellen Arbeiten mit Modellen entwickle ich Architektur als Prozess des Vergleichens und Entscheidens. Weiterbauen wird zur Haltung: Bestehendes ernst nehmen, es öffnen, ergänzen und in eine gegenwärtige Gestaltung für gemeinschaftliche Nutzung überführen.