Nachempfinden statt Kopieren: Ausstellung Reproduktives Entwerfen

Studierende der Hochschule RheinMain entwickelten referenzbasierte Entwürfe für ausgewählte Baulücken in Stuttgart. Die Arbeiten sind bis 07. Juli 2022 in der Ausstellung „Reproduktives Entwerfenin der Stuttgarter Raumgalerie zu sehen. 

Hochschule RheinMain

jm | 12.04.2022

Unter dem Leitgedanken des „Reproduktiven Entwerfens" entstehen seit 2014 an der Hochschule RheinMain und anderen Hochschulen Projekte, die sich stark an vorhandenen Entwürfen orientieren. In Stuttgart sind vom 10. Mai bis zum 07. Juli 2022 die Ergebnisse dieser Arbeit zu betrachten. Als die Architekturprofessoren Georg Ebbing von der Hochschule RheinMain, Moritz Henkel von der Technischen Universität Dortmund sowie Philipp Rentschler und Ulrich von Ey von der Berliner Hochschule für Technik (BHT) den Begriff „Reproduktives Entwerfen" formulierten, ging es ihnen nicht darum, sich auf einfache Art und Weise retrospektiv der Architekturgeschichte zu bemächtigen.

Im Fokus standen vielmehr Überlegungen, wie Kontiunitäten und sanftere Übergänge zwischen dem Vorhandenem, dem Zeitgenössischen und dem Zukünftigen geschaffen werden können. Das setzt ein eindringliches und damit lehrreiches Studium der Referenzprojekte voraus. Während des Prozesses gilt es herauszufinden, worin genau die Qualitäten der Entwürfe liegen – ob gebaut oder auf dem Papier geblieben. Danach erfolgt eine Anpassung an den Kontext und an die heutigen Bedürfnisse. Dem Konzept zufolge sollen so die positiven Aspekte vorhandener Architekturen multipliziert und weitergetragen werden. Die Theorie wurde zu acht Thesen im Manifest „Reproduktives Entwerfen" gebündelt.

Eileen Grey auf dem Parkplatz

Welche Vorschläge für den realen Stadtraum bei Anwendung des Prinzipes in der Lehre herauskommen, zeigt eine Ausstellung in der Stuttgarter Raumgalerie. Bis zum 07.07.2022 sind dort studentische Arbeiten der letzten Jahre vor allem aus der Hochschule RheinMain zu sehen, die unter dem Leitgedanken des „Reproduktiven Entwerfens“ für konkrete Orte in Stuttgart entstanden sind. So wird beispielsweise in einer Arbeit Eileen Greys legendäres E-1027 Haus an der Côte d'Azur auf den  Parkplatz neben dem Stuttgarter Haus der Wirtschaft platziert. Dieser Verfremdungseffekt soll ganz neue Perspektiven auf den Stadtraum eröffnen. Auch lokale Klassiker wie Rolf Gutbrod, Paul Bonatz oder Richard Döcker wurden aufgegriffen und berabeitet. 

Acht Jahre „Reproduktiven Entwerfen" in der Lehre

In einem weiteren Teil der Ausstellung präsentieren die Macher*innen die ganze Bandbreite an Projekten aus den Jahren 2014 bis 2022. Mit den Spiel „PAIRfect" können spielerisch Beziehungen zwischen den einzelnen Referenzen aufgedeckt werden. Die Schau selbst ist in Kooperation mit der unabhängigen und überparteilichen Inititiative „Aufbruch Stuttgart e.V." verwirklicht worden, die sich für mehr Kultur, Urbanität und Lebensqualität in Stuttgart einsetzt.

Daten

  • Ort: Die Raumgalerie, Ludwigstraße 73, 70176 Stuttgart
  • Dauer: bis 07.07.2022
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11 bis 19 Uhr /Samstag 13-18 Uhr
    Feiertag nach Bekanntgabe
  • Podiumsdiskussion: Teilnehmer*innen und Termin werden noch bekanntgegeben