Menschenwürdiges Wohnen: Semesterarbeit und Ausstellung „Welcome to the Dorm“

15 Architekturstudierende der Technischen Universität München haben sich im Sommersemester 2022 mit der Gestaltung von Unterkünften für wohnungslose Menschen befasst. Gastprofessorin Carmen Wolf betreute das Projekt an der Professur für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege. Die in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Männervorsorgeverein München e.V. entstandenen Arbeiten waren anschließend in der Ausstellung „Welcome to the Dorm“ im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr zu sehen.

Technische Universität München

jm | 13.09.2022

Obwohl ein Dach über dem Kopf zu den festgeschriebenen Menschenrechten gehört, ist Obdachlosigkeit nach wie vor ein ernst zu nehmendes Problem. Die Zahl der wohnungslosen Menschen steigt kontinuierlich an – in den Städten wie auch auf dem Land. Vor diesem Hintergrund haben sich im Sommersemester 2022 15 Master-Studierende der TUM School of Engineering and Design an der Technischen Universität München mit dem Entwurf von Unterkünften für wohnungslose Erwachsene befasst. Die Semesteraufgabe betreute die Münchener Architektin Carmen Wolf, Gastprofessorin an der Professur für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege. Unterstützung bei der Findung des Raumprogrammes lieferte der Katholische Männervorsorgeverein München e.V.. Die Organisation ist eine Anlaufstelle für wohnungslose und anderweitig in Not geratene Menschen in Bayern. Vom 22. Juli 2022 bis zum 26. Juli 2022 fand im Foyer des Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr in München die Ausstellung „Welcome to the Dorm“ mit den Studierendenarbeiten statt. Der Bayerische Bauminister Christian Bernreiter sieht in den Studierendenarbeiten wichtige Impulsgeber für die Bewältigung der Wohnungsfrage.

 

Auf gute Nachbarschaft

Die Aufgabenstellung umfasste den Entwurf eines Wohnheims für 70 wohnungslose, arbeitslose oder suchtkranke Personen. Der Aufgabe entsprechend umfasste das Raumprogramm neben dem Wohnbereich Gemeinschaftsküchen, Sozialräume, Behandlungsräume und Platz für die Verwaltung. Während des Semesters haben die Studierenden individuell ihr Nutzungsprogramm anpassen und erweitern können, nicht zuletzt auch durch den Input seitens Vertreter*innen des Katholischen Männervorsorgevereins und anderen Expert*innen zur Thematik. Entweder an einem städtischen Standort in München-Sendling oder einem eher ruralen in Garmisch-Partenkirchen sollten die Studierenden mit jeweils leicht abgewandelten Anforderungen ihrer Idee von menschwürdigem Wohnraum Ausdruck verleihen. Eine Einbettung der Einrichtungen in den sozialen Umraum war eine der Zielsetzungen der Aufgabe. Auf welchem Wege kann die Nachbarschaft niedrigschwellig in die soziale Sphäre des Wohnheimes eingebunden werden? Vorschläge hierfür rangieren von Werkstätten in der Einrichtung bis hin zu gemeinsam genutzten gastronomischen Angeboten.

 

Die Verantwortung der Architekturschaffenden

Eine der Leitfragen, die die Kursteilnehmenden reflektierten war die nach dem Einfluss, den die Architektur auf derlei soziale Problematik ausübt. Nach dem Verständnis des Kurses können die Architekt*innen nicht direkt auf der gesellschaftlich-strukturellen Ebene Einfluss nehmen, wohl aber seien sie in der Lage, mit ihrem Können Räume zu schaffen, die Schutz bieten und in denen sich der Mensch geborgen fühlt. In Anbetracht der vulnerablen Zielgruppe der Entwürfe liegt in diesem Kontext eine besondere Verantwortung. Das Studio sollte dafür sensibilisieren, wie man die Bedürfnisse von sehr unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen räumlich vereinen und sogar in eine symbiotische Beziehung bringen kann. Jedem Gesellschaftsmitglied angemessenen Wohnraum bieten zu können, hat der Kurs als gemeinschaftliche Aufgabe begriffen, an dem die Mitwirkung jeder Person eine Rolle spielt.