Kreative Abgeschiedenheit: Sommer-Workshops in der Domaine de Boisbuchet

Auf dem weitläufigen Gelände der Domaine de Boisbuchet erkundeten internationale Teams unter der Leitung namhafter Designer*innen traditionelle Handwerkstechniken und Low-Tech-Ansätze im Kontext der hochtechnisierten Gegenwart.

Dichter Wald, eine duftende Wiese und ein kleines Château am Flussufer – das klingt nach Urlaubsidylle in Frankreich. Doch auf dem Campus der Domaine de Boisbuchet herrscht im Sommer reges Treiben. Jedes Jahr lädt das Team um Campusgründer Alexander von Vegesack und Mathias Schwartz-Clauss zu Workshops rund um die Themen Design, Architektur und Natur ein. 

Seit 2013 verantwortet Schwartz-Clauss das Workshop- und Ausstellungsprogramm von Boisbuchet, das mit wechselnden Themensetzungen und international bekannten Persönlichkeiten aus Architektur und Design aufwartet. Für die Sommerworkshops entwickelt jede*r Dozent*in eine individuelle Aufgabe und begleitet eine Woche lang eine Gruppe von Teilnehmer*innen beim Erlernen von Techniken und der Erstellung einzelner oder gemeinsamer Objekte. 

Low Tech statt totale Vernetzung

Unter dem Motto „Private / Public Spheres“ bot das diesjährige Programm 19 Workshops. Angesichts der veränderten Relation zwischen privater und öffentlicher Ebene in unserer hypervernetzten Welt lag der Fokus auf der Untersuchung und Neugestaltung von Lebensräumen. 

Der spanische Künstler Lucas Muñoz Muñoz warf die Frage auf, wie Menschen traditionell ihre grundlegenden Bedürfnisse erfüllten und inwiefern der technologische Fortschritt uns von diesem über Generationen weitergegebenen Wissen entfernt hat. Wie können wir uns wieder mit den Rhythmen der Natur und unserer eigenen Körperlichkeit verbinden? Und wie können Knappheit und Begrenzung Innovationen fördern? Dies galt es, in der Abgeschiedenheit von Boisbuchet zu erforschen. 

Fasern, Ton und stimmungsvolle Lichtobjekte

Einen ähnlichen Ansatz verfolgte Fernando Laposse, Designer aus Mexiko. Laposse stellte die in vielen Kulturen verbreitete Tradition der Verwendung von Naturfasern wie Hanf, Flachs oder Brennnessel in den Mittelpunkt. Die Teilnehmer*innen konnten den Zyklus der Faserverarbeitung nachvollziehen und suchten aus dem Verständnis für die Materialeigenschaften kreative Lösungen in puncto zeitgenössisches Design.

Floris Wubben, niederländischer Keramikkünstler, ermutigte sein Workshop-Team, einen instinktiven, prozessorientierten Ansatz in der Arbeit mit Ton zu verfolgen und Einzelobjekte zu fertigen. Ebenfalls aus den Niederlanden war der Designer Bertjan Pot angereist, der seine Gruppe an vielfältige Materialien und Techniken heranführte, mit dem Ziel, aus der Vielfalt ein gemeinsames Objekt entstehen zu lassen. Als Ergebnis des Workshops entstand ein elektrischer Kronleuchter, der die Ideenvielfalt zusammenführt und fortan die Sommernächte in Boisbuchet erhellt.

Japanisches Tischlerhandwerk

Die weiteste Anreise hatte Wataru Kumano. Der japanische Produktdesigner bot Einblicke in die Tradition japanischer Holzbearbeitung. Er zeigte Techniken des Teilens und Verbindens von Holzstücken, unter anderem Zapfen-, Schlitz- und Schwalbenschwanzverbindungen. Damit konnten die Workshopteilnehmer*innen mehrere Sitzgelegenheiten gestalten und herstellen, die an ausgewählten Orten des weitläufigen Areals platziert wurden.

Ein besonderer Ort

Die Symbiose aus Landschaft und Architektur in Boisbuchet erinnert ein wenig an das Museum Insel Hombroich – nur exklusiver. Die Parkanlage verfügt neben dem kleinen Schloss über zahlreiche Nebengebäude, Pavillons und Skulpturen. Hier haben sich unter anderem bereits Shigeru Ban und Jörg Schlaich verewigt. Auch eine Bibliothek, Werkstätten und Ateliers können die Teilnehmer*innen nutzen. Und so beginnen die Kosten für eine Workshopwoche, einschließlich Übernachtung und Verpflegung, bei knapp über 1.000 Euro. Dafür darf man inspirierende Persönlichkeiten an einem weltentrückten Ort kennenlernen. Exklusivität hat ihren Preis.