Feministische Perspektiven in die Lehre einbinden: Das Kollektiv LOOM
Repräsentationslücken und strukturelle Ungleichheiten in der Architekturausbildung sichtbar machen: Mit diesem Ziel entstand aus einem Festivalbeitrag eine Initiative, die über die eigene Hochschule hinaus wirken will.
Wie lassen sich feministische, queere und intersektionale Perspektiven in der Architekturlehre nicht als Randthemen, sondern als Grundlage für eine gerechtere Praxis verankern? Das 2024 an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) gegründete studentische Kollektiv LOOM sucht dafür nach konkreten methodischen Ansätzen und richtet sich im Rahmen partizipativer Formate an sein unmittelbares Umfeld: Studierende und Lehrende der eigenen Hochschule ebenso wie externe Akteur*innen und andere Kollektive.
Leerstellen in der Lehre
Ihren Ausgangspunkt findet die Initiative im Vorfeld des Women in Architecture Festival 2025 (WIA25). Im Zuge der Konzeptentwicklung für einen Festivalbeitrag der BHT reflektierten die Studierenden und Mitgründerinnen Alexia Hornig und Esin Erdinch Mehmed ihre eigene Ausbildung – und identifizierten systematische Leerstellen: eine nach wie vor eingeschränkte Repräsentation nicht-männlicher Positionen, eine Kanonbildung entlang dominanter Perspektiven und das Fehlen struktureller Verankerung diverser Inhalte in der Lehre.
Gemeinsam mit Victoria Lotze, Leonie Huhn, Lotta Božić und Ria Rademacher entwickelte sich daraus ein Kollektiv, das auf gemeinsame Wissensproduktion und Austausch setzt. Ein erstes Forum an der BHT machte die Initiative sichtbar und etablierte einen Raum, in dem Erfahrungen gebündelt und strukturelle Fragen gemeinsam verhandelt werden konnten.
LOOM GOES …
Im Zentrum der Arbeit des Kollektivs stehen konkrete methodische Ansätze. Umfragen, Mapping-Formate und offene Diskussionsräume dienen dazu, die Machtverhältnisse innerhalb der Lehre sichtbar zu machen und kritisch zu analysieren. Die Ergebnisse werden nicht nur dokumentiert, sondern aktiv in Ausstellungen und Veranstaltungen übersetzt.
Mit der Vortragsreihe „LOOM LÄDT EIN“ sollten feministische und intersektionale Perspektiven gezielt in den Hochschulkontext eingebracht werden. Die Ausstellung „LOOM MACHT SICHTBAR“ im Rahmen des WIA25 bündelte diese Ansätze schließlich: Neben der Auswertung einer eigens durchgeführten Diversitätsumfrage wurden marginalisierte Positionen, unsichtbare Beiträge und strukturelle Ausschlüsse räumlich und visuell aufbereitet.
LOOM versteht Ausstellung dabei nicht als Endpunkt, sondern als Werkzeug: Inhalte werden zugänglich gemacht, zur Diskussion gestellt und in neue Kontexte überführt. Diese Praxis setzte sich auch in externen Formaten fort – etwa im Austausch mit dem Verein n-ails in der Architektenkammer Berlin oder beim Fachbereichstag der Architektur in Stuttgart. Ziel ist es, institutionelle Strukturen nicht nur zu kritisieren, sondern konkrete Veränderungsansätze zu formulieren.
Institutionelle (Ein-)Bindung?
Mit der Ausstellung „WHO HAS SHAPED YOU?“ in der BDA Galerie Berlin, kuratiert von Nataliya Sukhova und Elke Duda, wurden im Februar 2026 die Inhalte erstmals in einen außerhochschulischen Kontext überführt. Die Erweiterung des Formats markiert einen wichtigen Schritt: LOOM positioniert sich zunehmend zwischen Hochschule und Praxis.
Gleichzeitig bleibt die institutionelle Verankerung eine offene Frage. Während die Resonanz innerhalb der Studierendenschaft hoch ist, gestaltet sich die Integration der erarbeiteten Inhalte in die Lehre bislang zögerlich. Genau hier setzt das Kollektiv an: als Impulsgeber*in für strukturelle Veränderungen, die feministische und intersektionale Perspektiven als Grundlage architektonischer Ausbildung etablieren wollen.
Damit verschiebt sich auch der Maßstab der Initiative – von einer hochschulinternen Plattform hin zu einem potenziell übergreifenden Netzwerk, das langfristig auf eine Transformation der Lehrpraxis zielt.