Almost Always Empty: Entwürfe, die einstige Häuser für Autos neu denken

Vom Autohaus bis aufs Parkdeck: Im Gaststudio Oficina entwickeln Studierende aus ungenutzten Berliner Bauten des Mobilitätswandels neue urbane Räume und zeigen das Zukunftspotenzial so mancher vermeintlich profanen Struktur.

Was tun mit Gebäuden, die fast immer leer stehen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Entwurfsstudio „Almost Always Empty – Buildings for Cars“ im Wintersemester 2024/25 am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Geleitet wurde es von Hanna Maria Schlösser und Lorenz Kirchner vom Berliner Büro Oficina, die die siebte Wüstenrot-Gastprofessur mit der Denomination „Umgang mit dem baulichen Bestand“ innehatten. Gemeinsam mit einer Gruppe von Masterstudierenden untersuchten sie drei sperrige Berliner Bestandsbauten – ein Autohaus, ein Parkhaus und ein Parkdeck – und entwarfen Szenarien für deren Transformation. Begleitet wurde das Studio von einem Forschungsseminar zu den Strategien der IBA Altbau 1984/87 sowie einer Exkursion nach Berlin.

Bestand als Ausgangspunkt

Die Hinwendung zum Bestand ist mehr als ein architektonischer Trend – sie gilt als notwendige Antwort auf Fragen der sozial-ökologischen Transformation. Im Ansatz ihres Studios betonen die beiden Gastprofessor*innen, dass die Architektur künftig nicht nur erhaltenswerte Ikonen, sondern gerade auch unspektakuläre, ordinäre oder gar „hässliche“ Gebäude im Blick haben müsse. In diesem Sinne widmete sich das Studio vermeintlich profanen Bauwerken für Autos, die heute meist leer stehen, aber wertvollen Raum im Stadtgefüge belegen. Die zentrale Frage lautete: Wie können Räume entstehen, die zukünftige Umnutzungen zulassen, ohne ihre eigene räumliche Identität zu verlieren? Der Titel des Studios deutet bereits an, dass Leerstand hier nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangslage für neue Nutzungen gelesen werden sollte – und für die Studierenden zu einer Aufgabe der Transformation werden muss.

Exkursion in die IBA 84/87

Als inhaltliche Vertiefung diente das Seminar „IBA Altbau – Lernen von Bestehendem“, in dem die Studierenden anhand von Zeichnungen zentrale Projekte der Internationalen Bauausstellung 1984/87 analysierten. Dort bildete der Umgang mit dem Bestand ein programmatisches Leitmotiv  – von der Umwandlung eines düsteren Parkhauses in eine Kindertagesstätte bis zur „Kreuzberger Mischung“ aus Wohnen, Arbeiten und gemeinschaftlichen Strukturen. Eine Exkursion nach Berlin ermöglichte den direkten Austausch mit den Orten der Untersuchung. Diese Beschäftigung mit der Geschichte verstand sich nicht als nostalgischer Rückblick, sondern als methodischer Resonanzraum für die eigenen Entwürfe.

Transformation des Profanen

Die Entwurfsarbeiten zielten dabei schließlich nicht auf ein fertiges Raumprogramm, sondern auf offene Strukturen, die Wandel ermöglichen sollen. Anhand drei ausgewählter Bauten entwickelten die Studierenden radikal unterschiedliche Szenarien.

So wurde das Aldi-Parkdeck am Maybachufer neu gedacht: Anstatt monotoner Stellflächen entstanden Konzepte für hybride Nutzungen, die Supermarkt, Wohnen und städtische Freiräume verbinden. Dabei spielten die Rampen und Dachflächen als besondere Außenräume eine zentrale Rolle. Die Düttmann-Parkgarage in der Ritterstraße mit ihrer wehrhaften Fassade und den niedrigen Decken inspirierte zu Vorschlägen, die den introvertierten Bau zum offenen Stadtraum transformieren. Aufstockungen, Rückbauoptionen und neue Fassadenkonzepte schufen Ansätze, das bisherige „Nicht-Ort“-Gebäude in ein produktives urbanes Gefüge einzubinden. Besonders heterogen zeigte sich das ehemalige Mercedes-Autohaus in der Prinzessinnenstraße, ein Ensemble aus Showroom, Werkhalle und Parkdeck. Hier entwickelten die Studierenden Szenarien zwischen Campus, Wohncluster und kulturellem Ort. Die räumlichen Brüche des Bestands wurden hier als Ressource begriffen – als Anstoß für neue Programme und Atmosphären.

Allen Entwürfen gemeinsam ist der Versuch, aus dem Widerstand der Bauten heraus eine architektonische Eigenlogik zu entwickeln. Statt glatter, generischer Lösungen entstanden prägnante Räume, die sich auf spezifische Orte beziehen und zugleich offen für zukünftige Transformationen bleiben.