„Ahrensfelder Obstwiesen“: Stadtrand und Wohnungsbau
In seiner Masterthesis entwarf Max Bilger am Berliner Stadtrand ein Gegenmodell zur üblichen Einfamilienhaus-Expansion in Ahrensfelde.
„Berlin oder Brandenburg – Für alle, die sich nicht entscheiden können.“ So wirbt Bonava für das Neubaugebiet „Ahrensfelder Obstwiesen“ am nördlichen Rand des Ortskerns von Ahrensfelde, wo derzeit Einparteienhäuser, Doppelhäuser und Reihenhäuser in Eigentum entstehen. Das Projekt spiegelt die Dynamik am Berliner Stadtrand: Berlin wächst, und Ahrensfelde–Werneuchen gehört zu den im Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion festgelegten Wachstumsräumen. Abseits des öffentlichen Diskurses wird hier massiv gebaut, ein weiterer Wachstumsschub für das ehemalige Straßendorf Ahrensfelde ist absehbar.
Vor diesem Hintergrund stelle ich die Frage, wie eine sinnvolle Stadterweiterung an der Peripherie aussehen kann. Wohnt dem Stadtrand nicht etwas Spezifisches inne, das sich in Architektur und Wohnungsgrundrissen widerspiegeln sollte?
Homogener Bestand, fehlende Alternativen
Die bisherigen Wachstumsschübe Ahrensfeldes in den 1930er- und 1990er-Jahren folgten dem Traum vom Eigenheim mit Garten. Über 91 Prozent des Wohnungsbestands bestehen aus Einparteienhäusern mit meist fünf oder mehr Räumen. Diese Homogenität schließt viele Zielgruppen aus: Kleinere Haushalte, ältere Menschen, Alleinerziehende oder Menschen in Übergangsphasen finden kaum passende Angebote, ebenso fehlen Alternativen für biografische Veränderungen. Das Projekt setzt hier an und fordert ein vielfältigeres Wohnungsangebot sowie eine höhere bauliche, programmatische und räumliche Dichte. Nur durch bewusste Differenzierung und das Zusammenspiel von Stadt und Dorf lässt sich das Potenzial des Stadtrands stärken und für mehr Menschen öffnen.
Gleichzeitig prägen hochstandardisierte Großformen mit Parkplatzfeldern die Versorgungsstruktur. Solche Big-Box-Typologien erzeugen Restflächen und schwach nutzbare Zwischenräume, während sie den Alltag stark aufs Auto ausrichten. Dabei ist Ahrensfelde gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden – ideale Voraussetzungen für eine 15-Minuten-Stadt. Mein Entwurf setzt daher auf dichte Wegebeziehungen und gemischte Nutzungen, die den Autoverkehr unterordnen und Alltagswege neu organisieren.
Höfe statt Lücken
Auf einem zentralen Areal nahe der Berliner Stadtgrenze, das heute von einem Supermarkt und zwei verfallenden Gebäuden geprägt ist, schlage ich ein Ensemble aus drei Langhäusern und der Umbauung des Supermarkts vor. Drei durchlässige, programmatisch differenzierte Höfe – Marktplatz, Wohnhof und Dachgarten – strukturieren das Projekt.
Wohnkonzept
Die vier Häuser unterscheiden sich in Wohnungsgrößen, Erschließung, Außenraumbezug und Grad der Gemeinschaftlichkeit, teilen aber typische Merkmale der Stadtrandwohnung: Jede Wohnung verfügt über einen privaten Außenraum, ist querbelichtet, großzügiger als städtische Pendants, hat natürlich belichtete und belüftete Bäder und wird vom Freiraum erschlossen. Flexible Einheiten ergänzen das Wohnen und können als Büro, Studio, Gäste- oder Hobbyraum genutzt werden.
Das Wintergartenhaus an der Dorfstraße bietet kompakte Wohnungen, die über einen Laubengang erschlossen werden. Private Wintergärten fungieren als Puffer zur Straße und stellen die städtischste Übersetzung eines Gartens dar. Im obersten Geschoss stärkt ein gemeinschaftlich genutzter Wintergarten mit Küche und Nebenräumen die Hausgemeinschaft.
Die 3- bis 4-Zimmer-Wohnungen im Loggiahaus liegen am Wohnhof und sind über freiliegende Treppenhäuser zugänglich. Überdachte Eingangsbereiche und gemeinschaftlich gestaltbare Gartenflächen fördern nachbarschaftliche Begegnungen. Das Gartenhaus bildet den Übergang zur Einfamilienhaussiedlung. Es kombiniert kleinere Erdgeschosswohnungen mit direktem Gartenzugang und großzügige Maisonettewohnungen mit Dachterrassen.
Schließlich verbindet das Maisonettehaus Wohnen, Arbeiten und Versorgung: Im Sockel liegen Supermarkt und flexible Gewerbeeinheiten, die Maisonettewohnungen werden über einen gemeinschaftlichen Dachgarten mit individuell zugeordneten Gartenparzellen erschlossen – eine zeitgemäße Interpretation der Kleingartenidee. Alle Gebäude sind überwiegend in Holzrahmenbauweise mit tragenden Außenwänden und Holzfassaden konzipiert; nur einzelne Sockelgeschosse sind mit Stahlbeton konstruiert.