Zwischen Bühne und Rückzugsort: DesignBuild für die Landesgartenschau
Zwei Bauten, ein studentischer Wettbewerb: Bühne und Pavillon werden von einem Studierendenkollektiv geplant und bis zur Realisierung begleitet.
Im Wintersemester 2025/26 führte die Technische Hochschule Nürnberg in Kooperation mit der Bayerischen Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 das Seminar M3011 Design.Build Competition durch. Unter Prof. Volker Halbach und Max Wendler entstand ein studentischer Wettbewerb mit konkretem Bauherrn und klarer Aussicht auf Realisierung. Gefordert waren zwei Interventionen für das Ausstellungsgelände: eine Bühne als öffentlicher Aufführungsort und ein Pavillon als Aufenthalts- und Rückzugsraum.
Aktuell werden die prämierten Projekte weiterentwickelt und bis zur Werk- und Montageplanung ausgearbeitet. Um den Prozess gemeinschaftlich auszuführen, gründete das studentische Team das kep_kollektiv.
Pavillon als klimatisches und soziales Gefüge
Wettbewerbsergebnisse Pavillon:
- 1. Preis: Son Nguyen – „Stadtgartenbibliothek“
- 2. Preis: Celian Kolb, Clara Kaminsky – „Eight“
- 3. Preis: Elena Schemm, Leandra Nagl – „drunter & drüber“
- Sonderpreis: Emil Zikarsky – „Grüner Teppich“
Der Pavillon-Entwurf „Stadtgartenbibliothek“ verbindet Klimastrategie und Nutzung. Eine modulare Holzstruktur, inspiriert von japanischen Steckverbindungen, ermöglicht eine flexible und reversible Bauweise. Vegetation und textile Elemente erzeugen Schatten und ein differenziertes Mikroklima. So soll ein niederschwelliger Ort zum Lesen und Begegnen entstehen.
„Eight“ setzt auf eine Voronoi-Geometrie, die Konstruktion und Raum gleichzeitig definiert. Die zelluläre Struktur schafft ein differenziertes Raumgefüge mit hoher Flexibilität. „Drunter & drüber“ organisiert Bewegung über Rampen und Ebenen, während der „Grüne Teppich“ Architektur nahezu vollständig in Landschaft auflöst.
Bühne als Landschaftsrahmen
Wettbewerbsergebnisse Bühne:
- 1. Preis: Alexander Staedel, Tim Kühnl – „Frame“
- 2. Preis: Son Nguyen – „Spotlight“
- 3. Preis: Emil Zikarsky – „Harz & Hall“
Im Gegensatz zum Pavillon soll die Bühne im Landschaftsraum gesetzt sein. Der Siegerentwurf „Frame“ versteht Bühne als minimale Intervention. Eine reduzierte Holzkonstruktion spannt sich als räumlicher Rahmen zwischen Baumbestand und Wiese. Die Setzung nutzt die vorhandene Topografie präzise: Der Wald fungiert als Hintergrund, die Wiese als Auditorium. Statt klassischer Trennung entsteht eine fließende Beziehung zwischen Publikum und Akteur*innen. Die gestaffelten Stufen erweitern die Bühne zum Aufenthaltsmöbel – auch jenseits von Veranstaltungen.
Die weiteren Entwürfe arbeiten ebenfalls mit Atmosphäre und Kontext. „Spotlight“ übersetzt japanische Vorbilder in eine bewegliche, lichtinszenierte Struktur, während „Harz & Hall“ die Landschaft selbst zum Bühnenbild erklärt und konsequent bauliche Eingriffe minimiert.
Vom Entwurf zum Bau
Das Seminar folgte realen Planungsphasen – von der ersten Idee bis zur baulichen Umsetzung, von der Zwischenkritik bis zur Jurysitzung in Bad Windsheim. Dabei arbeiteten die Teilnehmenden in Zweierteams; im Fokus stand die Umsetzbarkeit der Entwürfe.
Die beiden preisgekrönten Projekte werden im Sommersemester 2026 konstruktiv weiterentwickelt und bis zur Ausführungsplanung geführt. Dafür arbeitet das ganze Studierendenteam als kep_kollektiv zusammen. Sie organisieren die Planung, Kommunikation und Finanzierung des Projekts. Im September 2026 folgt die Umsetzung vor Ort in Bad Windsheim: In einer einwöchigen Bauphase pro Projekt realisieren sie die Entwürfe im Maßstab 1:1. Die fertigen Bauten werden 2027 Teil der Bayerischen Landesgartenschau und öffentlich genutzt.