Temporäre Praxis als urbanes Werkzeug: Die Galerie DON

Was kann eine nicht-institutionelle Intervention alles leisten? Die temporäre Galerie DON zeigt, wie Leerstand zum kulturellen Treffpunkt wird – mit Wirkung über den Sommer hinaus.

In der Münchner Maxvorstadt entstand im Sommer 2025 die DON Galerie. Felix Lindemann und Matthias Faul, beide an der Professur für Urban Design der Technischen Universität München tätig, initiierten das Projekt im ehemaligen Café „Luise“. Mit Galerie, Tagesbar und Ausstellungsräumen bespielen sie den 130 Quadratmeter großen Raum eigenständig und bewusst außerhalb institutioneller Strukturen.

Unterstützt vom Kulturreferat München, verwandelten sie den Ort in nur zwei Wochen in einen offenen Treffpunkt. Ihr Ziel: eine Intervention, die über die temporäre Raumnutzung hinausweist. Über fünf Monate hinweg ist ein vielseitiges Programm lokaler Akteur*innen, Studierender und Künstler*innen geplant. 

Intervention trifft Raum

Ausgangspunkt war die langjährige Auseinandersetzung mit dem Thema der Intervention in Architektur und Stadtentwicklung. Matthias Faul erforscht in seiner Dissertation, wie räumliche Interventionen als Entwurfs- und Bildungsinstrument dienen können. Beide Initiatoren hatten zuvor temporäre Projekte im öffentlichen Raum realisiert und wollten nun eine längerfristige und komplexere Nutzung erproben. 

Den Ort entdeckten sie beim Vorbeilaufen: eine leerstehende Ladenebene, quasi direkt vor der Uni. Hier konzipierten die beiden Architekten die Galerie als praktischen Testfall, der die Lücke zwischen flüchtiger Aktion und langfristiger Architekturproduktion adressieren soll. Zugleich ist die Galerie Ausdruck eines erweiterten Bildungsverständnisses. Zwar bestehen personelle Verbindungen zur TU München, doch setzten die Initiatoren das Projekt bewusst ohne institutionelle Trägerschaft um. Grund dafür war die Erkenntnis, dass Planungs- und Umsetzungsprozesse im universitären Rahmen oftmals langwierig sind. Innerhalb weniger Wochen gründeten sie eine eigenständige Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), organisierten Fördermittel und setzten die bauliche Transformation um – ein Tempo, das im akademischen Rahmen kaum möglich gewesen wäre. Ihr Fachwissen als Architekten machte dies möglich. 

Eigenständige Transformation

Die bauliche Transformation erfolgte mit minimalinvasiven Eingriffen und zirkulärem Materialeinsatz. Sieben räumliche Einheiten – Tagesbar, Eingangsbereich, vier Galerieräume und Lager – ergaben eine klare Raumstruktur. Vorhandene Elemente wie Theken, Möbel oder Leuchten wurden überarbeitet, ergänzt oder neu arrangiert. Abgehängte Decken wurden entfernt, verschlossene Durchgänge geöffnet, einfache Trennwände eingebaut. Das Farbkonzept basiert auf Weiß, Yves-Klein-Blau und Silber und berücksichtigt die spätere Rückgabe der Räume. Die Materialien wurden bewusst so gewählt, dass sie rückbaubar und kostengünstig sind. Die Gestaltung orientiert sich an funktionalen Notwendigkeiten und ermöglicht zugleich flexible Nutzung. Damit wird das räumliche Setting selbst Teil des Bildungsansatzes: Intervention entsteht im Tun – mit den Mitteln, die vorhanden sind.

Perspektiven der Öffentlichkeit

Die DON Galerie versteht sich als offener Ort für kulturelle Formate: wechselnde Ausstellungen, Gespräche, spontane Eingriffe. Eingeladene Künstler*innen und Initiativen aus der Nachbarschaft nutzen den Raum ebenso wie Lehrende der TU München, die hier Abschlussprojekte zeigen – frei zugänglich, anders als an der Universität. Studierende organisieren eigene Interventionen, etwa zur Hitzebelastung im Straßenraum. Der Ort erfüllt damit auch eine didaktische Funktion: Er zeigt, wie aus planerischem Wissen konkrete Praxis wird – außerhalb des Hörsaals, mitten in der Stadt. Die Galerie ist nicht auf Dauer angelegt, sondern als Modell gedacht: Die Zwischennutzung endet Mitte September, die gewonnenen Erfahrungen sollen in Folgeprojekte einfließen. DON steht damit exemplarisch für eine architektonische Haltung, die Gestaltung als aktiven Beitrag zum öffentlichen Leben versteht – präzise, direkt und umsetzungsorientiert. Ein Modell, das über diesen Sommer hinauswirken kann und vielleicht so manche angehende Architekt*in motiviert, selbst zu intervenieren.