Heiß, mobil, zirkulär: Die Circular Finnish Sauna
Eine Sauna, die wandert: Die Circular Finnish Sauna verbindet DesignBuild und zirkuläres Bauen mit finnischer Saunatradition – gebaut wird mit dem, was da ist, geschwitzt wird gemeinsam.
Hitze, Holz, Kreislauf: Die Circular Finnish Sauna ist ein langfristiges DesignBuild-Projekt des Instituts SPENI an der Fachhochschule Erfurt. Seit dem Wintersemester 2023/24 entsteht hier unter der Leitung von Prof. Frank Bauer und Prof. Markus Lager eine Sauna als zirkulärer Prototyp – gebaut in Etappen.
Eine Sauna auf Reise
Das Besondere liegt im Prozess: Die Sauna wandert semesterweise weiter. Nach jeder Nutzungsphase zerlegen die Beteiligten den Bau, transportieren die Bauteile und errichten ihn am nächsten Ort neu – mit denselben Materialien, aber in überarbeiteter Form. Der erste Aufbau fand im Rahmen der Ausstellung „Die Sauna. Echt heiß, echt finnisch.“ in den Nordischen Botschaften in Berlin statt, in Kooperation mit dem Finnland-Institut. Besucher*innen konnten dort tatsächlich saunieren und die Konstruktion testen. Im nächsten Schritt zog die Sauna nach Werben. Dort entstand aus denselben Bauteilen ein öffentlich zugänglicher Saunaraum mit Holzofen. Die konsequente Orientierung an der finnischen Saunatradition und am Prinzip des Löyly floss dabei von Anfang an in den Entwurf ein. Expert*innen des Finnland-Instituts sowie der finnischen Saunagesellschaft begleiteten den Prozess fachlich.
Die Kultur des Löyly
Der Begriff Löyly bezeichnet nicht nur den Aufguss selbst, sondern auch die „Lebenskraft“ der Sauna. Erst durch ihn entfaltet sich der Raum thermisch und kulturell. Im finnischen Volksglauben steht Löyly für die innere Energie des Menschen – neben Geist und Selbst. Gleichzeitig ist die Sauna auch ein sozialer Raum. Unterschiede treten zurück, Körper und Klima rücken in den Vordergrund. Fun Fact: In vielen finnischen Botschaften gehört eine Sauna fest zur Grundausstattung, um dort Gespräche und Verhandlungen zu führen. Denn in der Sauna zählen Status und Rolle weniger – alle sitzen auf derselben Bank.
Die Sauna zieht weiter
Der Ablauf des Studios folgte einem durchgehenden DesignBuild-Prozess vom Rückbau bis zur Wiedererrichtung. Ausgangspunkt war die zuerst in Berlin aufgebaute Sauna im Felleshus der Nordischen Botschaften. Zu Beginn des nächsten Semesters zerlegten die Studierenden die Konstruktion im Rahmen eines Urban-Mining-Workshops, transportierten das Material nach Erfurt und prüften es dort für den nächsten Einsatz. Auf dieser Basis entwickelten sie Entwurf und Details weiter. Gleichzeitig planten sie Transport und Montage neu – abgestimmt auf Winterbedingungen und das Verhalten des Holzes.
Die Konstruktion setzt auf Schraubfundamente und leimfreie Holzverbindungen, gebaut wurde in Eigenleistung. Der Rohbau entstand in Erfurt, die Fertigstellung folgte in der Summer School 2025 in Werben an der Elbe. Vor Ort wuchs das Team schnell zusammen: Erst gemeinsam auf der Baustelle arbeiten, später zusammen in der fertigen Sauna sitzen. Nach der aktuellen Betriebsphase zieht die Sauna bald weiter an einen nächsten Standort in Thüringen.
Zusammen schwitzen, zusammen bauen
Die Sauna bleibt im Kreislauf – gebaut wird immer wieder mit denselben Bauteilen. Genau das stellt hohe Anforderungen an den Entwurf: Nichts lässt sich einfach neu dazukaufen oder austauschen, jede Lösung muss aus dem vorhandenen Material entwickelt werden. Jede neue Station bringt kleine Verbesserungen und neue Erkenntnisse. So zeigt das Projekt ziemlich anschaulich, wie zirkuläres Bauen, handwerkliche Praxis und kulturelle Tradition zusammenfinden.