Gestaltung mit Raumklang: Akustisch wirksame Prototypen

Wie entsteht ein akustisches Raumerlebnis? Studierende entwickelten Systeme, die Räume zwischen Stille und Klang in vielfältigen Tonalitäten erlebbar machen.

Akustik – eine rein technische Aufgabe? Klang beruhigt, umhüllt, bewegt oder irritiert. Er prägt die Atmosphäre eines Raums und beeinflusst das Wohlbefinden der Nutzenden. Das akustische Erlebnis lässt sich durch die Textur und Geometrie von Oberflächen steuern. Deswegen gilt die Planung der Akustik als ein unverzichtbarer Aspekt jeder Innenraumgestaltung, nicht nur in Konzertsälen, Theatern oder Bibliotheken. 

An der Hochschule Hannover forderte André Nakonz, Professor für Computerunterstütztes Entwerfen und Darstellen, die Bachelorstudierenden der Innenarchitektur auf, akustisch wirksame Systeme zu gestalten. Das Ergebnis: 13 Prototypen, die im Januar 2026 auf der Fachmesse Domotex präsentiert werden.

Akustik als Gestaltungselement

Im Sommersemester 2025 näherten sich die Studierenden der Aufgabe gestalterisch, funktional und technisch. Ob als Oberfläche, Objekt, Struktur oder System: Ihr Ziel war es, ein Raumerlebnis zu schaffen. Sie setzten ihre Ideen in Prototypen um und experimentierten mit Naturmaterialien wie Kork, Hanf, Wolle und Seegras. Viele Projekte betonten die lokale Herkunft, natürliche Verarbeitung sowie Wiederverwendbarkeit der Rohstoffe.

Bunt, verspielt, dekorativ und natürlich 

Mehrere Entwürfe nutzten die schallabsorbierenden Eigenschaften von Naturstoffen wie Wolle – verfilzt, 3D-gedruckt oder gestrickt. Ein weiteres Projekt kombinierte Stampflehm, Brennnesseln und Seegrasbälle zu plastisch geformten Wandpaneelen. Die Designs hatten den Anspruch, Materialinnovation mit künstlerischer Raumgestaltung zu verbinden. Akustische Raumtrenner aus verflochtenen Hanfstreifen und ein dreidimensionales Deckensystem aus organisch geformten Korkbahnen sollten so zeigen, wie wirkungsvoll Naturmaterialien sein können, wenn Gestaltung und Technik einhergehen. 

Vom Unikat bis zur Serie

Einige Prototypen wirkten atmosphärisch und dekorativ: großformatige Installationen, Lichtobjekte oder ein Wandpaneel mit perforierten Holzfurnieren. Die Entwürfe reichten von industriell herstellbaren Systemen bis zu künstlerischen Unikaten. Besonders originell: Ein Projekt verband Lichtkörper mit skulpturalen Elementen aus recycelten Mullbinden, gewickelt um Luftballons. Auch der „Schwarm“ von ausrangierten Teebeuteln kann man sich als einzigartige, akustische Wandinstallation vorstellen. 

Module, die den Raum bilden

Drei Projekte zeigten, wie sich mit akustischen Elemente Räume neu definieren lassen. Ein modulares Deckenelement, das sich per Flaschenzug in einen Raumtrenner verwandeln lässt, eignet sich besonders für offene Bürolandschaften. Ein Lego-ähnliches System aus farbigen Baublöcken ermöglicht spielerische Raumaufteilungen – ideal für Kinder. Große Textilglocken, die an Reifrockstrukturen erinnern, schaffen intime Rückzugsorte in öffentlichen Räumen. 

Fachliche Unterstützung erhielten die Studierenden vom Akustikexperten Prof. Michael Oehlerking sowie von Vertreter*innen der Messe bei der Zwischen- und Endpräsentationen.

Ausstellung auf der Domotex

Die 13 Entwürfe werden vom 19. bis 22. Januar 2026 auf der Fachmesse Domotex in Hannover ausgestellt. Vier Studierende entwickeln derzeit das räumliche Konzept der Ausstellung – eine Gelegenheit, die Entwürfe öffentlich in Szene zu setzen.

Die Kooperation zwischen der Hochschule Hannover und der Domotex findet bereits zum dritten Mal statt. Während 2018 und 2020 der Fokus auf Bodenbelägen lag, stand diesmal erstmalig die Akustik im Mittelpunkt – passend zum erweiterten Produktportfolio der Messe.