Die Domäne Dornburg: Reallabor für eine nachhaltige Tektonik

Kann man den ländlichen Gebäudebestand in eine Ressource für gemeinschaftliches Lernen und Bauen verwandeln? Mit dieser Frage beschäftigten sich Studierende im Projekt „Versuchsgut Dornburg – Experimente zu einer nachhaltigen Tektonik“.

Unter Leitung von Jun.-Prof. Tim Simon-Meyer verwandelten Studierende der Bauhaus-Universität Weimar das Gelände der ehemaligen Domäne Dornburg bei Jena in ein Labor für Umbaukultur. Im Zentrum stand der schrittweise Umbau des alten Kuhstalls zu einem Lern- und Experimentierraum. Bauen wurde hier nicht als linearer Weg zum fertigen Produkt verstanden, sondern als gestalterische Forschung. Materialkreisläufe, reversible Fügungen und offene Strukturen bildeten den Ausgangspunkt. Gemeinsam mit der Eigentümerin LEG Thüringen, dem Büro exnovum und lokalen Akteur*innen erprobte das Projekt, wie Umbauprozesse Teilhabe, Resilienz und regionale Wertschöpfung stärken können.

Das Vorhandene fügen

Anstatt große Eingriffe zu planen, setzten die Studierenden auf präzise und prototypische Interventionen. Sie legten Balken frei, setzten alte Waschbecken an neuer Stelle ein und nutzten Porotonsteine aus einem Durchbruch zum Schließen einer Tür. Heizungsrohre verwandelten sie in Küchenmöbel oder Kabelkanäle. Ergänzt wurde der Bestand durch ein Vordach aus recycelten Garagentoren, Fenster aus entsorgten Glasscheiben oder Vorhänge aus gebrauchtem Segeltuch.

Die Lehre verzahnte Analyse und Praxis: Studierende dokumentierten den Ist-Zustand bis ins kleinste Detail – vom abgeplatzten Putz bis zum schief hängenden Heizkörper. Parallel katalogisierten sie verfügbare Materialien aus der Umgebung und testeten deren Eigenschaften in spielerischen Ad-hoc-Konstruktionen. So entstand ein Gespür für die tektonische Qualität des Bestands und für das Potenzial, das im Vorhandenen lag.

Lokal eingebunden

Das Projekt sollte sich bewusst für Expertise von außen öffnen. Handwerker*innen, ein Statiker, ein Akustiker und das VorOrt-Kollektiv brachten Wissen und Erfahrung ein; Bürgermeister und Ortsansässige teilten ihre Perspektiven. Exkursionen zu Baustellen von Büros wie Meier Unger, Summacumfemmer oder KOOK erweiterten den Blick.

Die Domäne wurde so zur forschenden Baustelle: provisorisch, fragmentarisch und offen für Veränderungen. Entscheidend war nicht das fertige Ergebnis, sondern das gemeinschaftliche Tun. Im Mittelpunkt stand die Frage: Welche minimale Infrastruktur genügt, um Räume für Workshops, Veranstaltungen oder gemeinschaftliches Arbeiten nutzbar zu machen?

Ausblick

Das Projekt versteht Umbau als langfristige, adaptive Praxis – als Gegenentwurf zu schnellen Entwicklungslogiken. Suffizienz, Ressourcenknappheit und Teilhabe erscheinen hier nicht als Hindernisse, sondern als Chancen für eine neue architektonische Sprache – quasi eine Poetik der nachhaltigen Tektonik. Im kommenden Semester öffnet sich das Projekt weiter. Ein neues Lehrformat soll die Umgebung der Domäne in den Blick nehmen und lokale Alltagsorte untersuchen. Ferner setzt sich eine kollektive Abschlussarbeit derzeit mit dem Potenzial der Domäne als Ort der Gemeinschaft auseinander.