Spezial N_AS Summerschool: Schreibt die Kammer das Berufsbild?
Meist acht Semester Studium, zwei Jahre Berufserfahrung, Leistungsphasen 1 bis 9: Der Weg zur Architekt*in scheint festen Regeln zu folgen. Passen diese Normen noch zu einem Berufsbild, das sich gerade grundlegend verändert? Und wer entscheidet darüber?
In unseren Spezialfolgen von der Summer School „Future Curricula Circuit Training“ der Neuen Architekturschule Siegen (N_AS) schauen wir diesmal auf Strukturen, die im Studium oft unsichtbar bleiben: Kammern, Verbände und Berufspolitik.
Katja Domschky ist die erste Präsidentin der Architektenkammer NRW, der größten in Deutschland. Auf die Lehre habe die Kammer formal keinen Einfluss, denn die Zugangsvoraussetzungen gibt der Gesetzgeber vor. Umso wichtiger sei das Gespräch mit den Hochschulen. Offen ist zum Beispiel, ob weiterhin alle Leistungsphasen Bedingung für die Eintragung bleiben müssen. Das betrifft sie auch selbst: Mit ihrem heutigen Schwerpunkt Kommunikation käme sie nicht mehr in die Kammer. Über die neue Junior-Mitgliedschaft redet der Nachwuchs inzwischen sogar im Vorstand mit.
Immanuel Bergmann hat in Dessau studiert und wird gerade in Sachsen-Anhalt als Junior-Architekt in die Kammer aufgenommen. Zwischen seiner Hochschule und der Kammer war der Draht kurz. Katja dagegen hat in ihrem Studium nichts von der Kammer gehört. Bergmann fragt nach: Warum gibt es keine Bauvorlageberechtigung für Kollektive?
Außerdem: Wie kann man schon im Studium berufspolitisch mitreden? Was bedeutet Autor*innenschaft jenseits der Stararchitektur? Und warum braucht es gerade jetzt Mut zur Selbstständigkeit? Ein Gespräch über Zugänge, Verantwortung und ein Berufsbild, das neu verhandelt wird.
Teaserbild: Katja Domschky und Immanuel Bergmann, Foto: Max Mesch
Host, Produktion und Redaktion: Katharina Lux und Sorana Radulescu
Text: Katharina Lux
Postproduktion: Robert Schulz