Hörende Landschaftsarchitektin: Wenn der Efeu zu sprechen beginnt

Fünf Minuten still sitzen, die Augen schließen, nur hören – und plötzlich wird der Raum vielschichtig. So beginnt für Fanny Brandauers Studierende oft die Arbeit vor Ort. Die studierte Landschaftsarchitektin leitet seit 2023 ihr eigenes Studio in Berlin, kuratiert das Format Salon Landschaft und ist seit 2024 Gastprofessorin für Landschaftsästhetik im Entwurf an der Universität Kassel.

In dieser Folge wird schnell klar, woher diese Verbindung kommt: Großmutter, Wald, Herbarium – das botanische Wissen aus der Kindheit trifft auf ein früh ausgeprägtes Interesse an Kunst im öffentlichen Raum. In ihrer Masterarbeit an der TU München untersucht Fanny, wie sich Landschaft in den Innenraum transferieren lässt. Der Ausstellungsraum wird zur Zuspitzung: Was draußen beiläufig wirkt, gewinnt drinnen Aufmerksamkeit. Dieses Prinzip prägt ihre Praxis und ihre Lehre. Statt Räume zu überschreiben, sucht Fanny nach deren Potenzialen – Akustik, Geruch, Geschmack inklusive. In Kassel widmet sie jedes Semester einem Sinn und macht Wahrnehmung zur Voraussetzung jedes Entwurfs. Mit dem Salon Landschaft hat Fanny parallel ein offenes Dach geschaffen, unter dem Ausstellung, Gespräch, Performance und Garten Platz finden. 

Was passiert, wenn Hören zur Entwurfsmethode wird? Warum bleibt die Landschaftsarchitektur in Presse und Diskurs hinter der Architektur zurück? Und wie lässt sich ein Berufsbild bauen, für das es noch keine Anleitung gibt? Ein Gespräch über sinnliche Lektüre, prozesshaftes Arbeiten und den Mut, an die Ränder des eigenen Faches zu gehen.

Ob Fachplaner*in im konventionellen Architekturbüro oder Grenzgänger*in im Bühnenbau: In unserem „ALUMNI-Podcast: Studiert, um zu bauen?“ sprechen wir mit unseren Gästen über ihre beruflichen Stationen nach dem absolvierten Architekturstudium, über ihre aktuelle Situation und die Wege, die sie dorthin geführt haben.

Teaserbild: Fanny Brandauer, Foto: © Peter Oliver Wolff
Host und Produktion: Kerstin Kuhnekath
Redaktion und Text: Katharina Lux