Resiliente Stadt in hypothetischen Zeitaltern: Die Abschlussarbeit „Mythos Berlin“

In seiner Bachelorarbeit entwickelte Carl Cormac Mac Reevy mithilfe spekulativer Epochen Entwürfe für ein Berlin, das den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen soll.

Unter dem Titel „Mythos Berlin“ erforschte Carl Cormac Mac Reevy mit entwurflichen Methoden in seiner Bachelor-Thesis unter der Leitung von Prof. Tim Simon-Meyer und Prof. Björn Dahlem an der Bauhaus-Universität Weimar die Entwicklung Berlins bis 2100. Sein Ziel bestand darin, eine spekulative Zukunft der Stadt zu zeigen – präsentiert durch wissenschaftliche Arbeiten, Skulpturen und Architektur-Collagen. Mit dem Projekt untersuchte er Berlins Wandel durch Klimawandel, gesellschaftliche Umbrüche und Migration. Dabei entwickelte er zwei fiktive Epochen: Den Hermetischen Metabolismus (2040–2070) sowie den Parasitären Eklektizismus (2070–2100) – die als spekulative Szenarien einen Rahmen bieten sollen, Berlins Zukunft im globalen Kontext verstehen zu können.


In verschlossenen und vielfältigen Zeitaltern

„Mythos Berlin“ sieht Berlin als dynamischen Raum, der sich durch Migration und Klimawandel verändert. Es nutzt Theorien aus Klimaforschung, Architekturgeschichte und Stadtplanung, um zu zeigen, wie Architektur in einer sich wandelnden Welt entsteht. Die Annahme eines „Hermetischen Metabolismus“ ab 2040 beschreibt dabei eine Zukunft, in der Berlin isolierte, technokratische Gebäude als Schutzräume schafft, die sich auf technischen Fortschritt konzentrieren, ohne jedoch tatsächlichen Wissensaustausch zu integrieren. 30 Jahre später – im „Parasitären Eklektizismus“ – hingegen, würden hybride, postnationale Architekturen durch einen internationalen Wissensaustausch geformt. Kulturelle und traditionelle Bauweisen aus teils außereuropäischen Regionen verschmelzen mit Berliner Architektur, ergänzt durch recycelte Materialien wie Grundwasserrohre oder gar Spezi-Dosen und sollen durch diese Mischung eine dynamische, anpassungsfähige urbane Landschaft schaffen.

Zukunftsfähig durch Integration und Migration

Die Stadt Berlin muss ihre Zukunft bereits heute aktiv gestalten – und der Umgang mit Migration und Offenheit können dabei entscheidend für die soziale Durchlässigkeit und Integrationsfähigkeit der Stadt sein. Da abzusehen ist, dass Berlin und andere nordeuropäische Städte bis 2100 klimabedingte Migration erleben werden, stellt sich die Frage, wie diese Entwicklung zu einer kulturell vielfältigen und nachhaltigen Zukunft führen kann. Dazu zeigt das Projekt, wie Migration und Integration internationaler Bauweisen eine Stadt zukunftsfähig und klimaresilient machen können.

Hybride Bautypen erzeugen

Durch einen angestrebten Wissensaustausch könnten so neue, hybride Architekturen geschaffen werden. In der Annahme des „Parasitären Eklektizismus“ sollte untersucht werden, wie postnationale Architekturen durch das Verbinden verschiedener Bauweisen entstehen können – insbesondere im Umgang mit extremen klimatischen Bedingungen wie starker Hitze. Kombinationen aus Berliner Bestand mit traditionellen Bauweisen wie schattenspendende Mašrabīya – dekorative Holzgitter der traditionellen islamischen Architektur – oder Strukturen wie die des Hammāms – öffentliche Badeanstalten aus dem arabischen Raum – führen zu einer urbanen Landschaft, die sich kontinuierlich wandelt, ergänzt und anpasst. Im Gegensatz dazu zeigt die Darstellung des „Hermetischen Metabolismus“ eine Zukunft, in der Architektur nur auf technische Lösungen setzt und den Wissensaustausch über klimaresiliente Bauweisen vernachlässigt.


"Mythos Berlin" soll die Dynamik urbaner Transformation betonen und verdeutlichen, wie Architektur Veränderungen aufgreift als auch aktiv mitgestaltet.  Das Projekt lädt ein, über traditionelle Stadt- und Architekturvorstellungen hinauszudenken und eine widerstandsfähige, transformative Zukunft zu entwerfen. Dabei bleibt es im ständigen Dialog mit den gesellschaftlichen, ökologischen und kulturellen Entwicklungen, die unsere Städte prägen werden.