„FLUX-Architekturen“: Entwürfe für die Mobilitätswende

Technische Innovationen, digitale Vernetzung und neue Formen der Fortbewegung befördern weltweit eine Mobilitätswende. In Hamburg und Chicago haben Studierende neue Transiträume für die jeweilige Stadt entworfen.

Hamburg und Chicago – zwei Städte mit sehr unterschiedlichen Maßstäben und Transitsystemen. Der von Prof. Martin Kläschen und Prof. Klaus Sill betreute Entwurfskurs „FLUX“ setzte sich mit den Qualitäten und Potenzialen der Verkehrsknotenpunkte in diesen beiden Städten auseinander. Vor dem Hintergrund neuer Mobilitätstrends und eines sich abzeichnenden massiven Wandels im Transitsystem sollten Studierende die Qualität bestehender Knotenpunkte zwischen den verschiedenen Mobilitätssystemen – etwa Park-and-Ride-Stationen – verbessern. Der Kurs fand parallel an der HafenCity Universität in Hamburg und am Illinois Institute of Technology in Chicago statt.

Von der Analyse zum Entwurf

Im ersten Schritt suchte sich jedes Entwurfsteam innerhalb Hamburgs beziehungsweise Chicagos eine Strecke von fünf Kilometern aus. Auf dieser Strecke musste sich mindestens ein Knotenpunkt unterschiedlicher Verkehrssysteme befinden. Die Studierenden beobachteten und analysierten die ausgewählten Abschnitte im Hinblick auf signifikante Besonderheiten, aber auch auf unauffällig erscheinende, alltägliche Phänomene. Die Untersuchungsergebnisse wurden in einer multimedialen Darstellung festgehalten. Im zweiten Schritt richteten die Teams ihre Aufmerksamkeit auf zwei Verkehrsknotenpunkte auf der bereits untersuchten Strecke. Sie ermittelten die Akteure, Protagonisten und Verkehrsmittel und erörterten deren Bewegungsmuster. Darauf aufbauend stellten sie die Vorteile und Defizite der untersuchten Räume heraus. Außerdem identifizierten sie in diesem Zuge potenzielle Aktionsfelder und fertigten erste Ideenskizzen an. 


Sieben „FLUX-Typologien“

Jeder Entwurf wurde einer von sieben im Vorfeld definierten Typologien zugeordnet, um eine Vergleichbarkeit der Projekte der HCU und des IIT zu erwirken. Diese sogenannten „FLUX-Typologien“ haben die Gruppen aus den Analysen der bearbeiteten Areale abgeleitet. Bei der ersten Typologie handelt es sich um transformierte bestehende Verkehrsbauten wie etwa Parkhäuser oder Bahnhöfe. Bei der zweiten Typologie geht es insbesondere um Multifunktionalität und die Einbeziehung zusätzlicher Nutzungen. Die dritte Typologie beschreibt Orte, an denen sich verschiedene Verkehrsmittel überlagern. Schienenstrecken, Bundesstraßen, Autobahnen oder Brücken fallen in die vierte Kategorie. Innovative, zukunftsorientierte Verkehrsbauten bilden die fünfte Typologie. Die sechste Kategorie beschäftigt sich mit der Aktivierung von unattraktiven Raumressourcen – etwa unter Brücken oder zwischen Bahngleisen. Bei der siebten Typologie geht es um großmaßstäbliche Umstrukturierungen auf städtischer Ebene.

Verknüpfung von Forschung und Experiment

Die informativ-experimentelle Entwurfslehre des Kurses fußt auf der Verbindung von Forschung und Experiment. Entsprechend einem systematisch gegliederten Untersuchungsverlauf wird der Entwurfsprozess durch eine Recherche- und Beobachtungsphase eingeleitet. Die erhobenen Daten werden im Anschluss analysiert. Auf Grundlage der somit gewonnenen Erkenntnisse können im Entwurfsprozess informierte Entscheidungen getroffen werden.