Es geht weiter: Die 5. Bauhütte in Sundhausen

Neues aus Sundhausen: In der bereits 5. Ausgabe des praxisorientierten Workshops „Bauhütte“ haben Architekturstudierende und Berufsschüler*innen in Thüringen sich dem Leerstand im ländlichen Raum gewidmet. Dieses Mal stand die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung im Mittelpunkt.

Technische Universität Berlin

jm | 17.10.2022

Im Rahmen der IBA Thüringen finden in Sundhausen seit Frühjahr 2021 Workshops statt, in denen sich Architekturstudierende und Berufsschüler*innen die Aufwertung der gemeinwohlorientierten ländlichen Infrastrukturen vornehmen. baunetz CAMPUS berichtete bereits über die abgeschlossene Phase des DesignBuild Projektes „LEERGUT“, das den verwaisten Konsum-Supermarkt des Dorfes zu einem neuen Mittelpunkt der Gemeinde machte. Das Fachgebiet CODE von Prof. Ralf Pasel von der Technischen Universität Berlin organisiert diese praxisorientierten Veranstaltungen mit Unterstützung der Sto-Stiftung. Zur 5. Ausgabe der „Bauhütte“, die vom 17. bis 25. September 2022 stattfand, gab es internationale Beteiligung: Die Veldacademie Rotterdam, die TU Delft, die TU Wien, die PUC Santiago de Chile, die Bauhaus-Universität Weimar und Maler-Fachschulen aus ganz Deutschland haben Akteur*innen nach Sundhausen entsandt.

Gesundheit! Auch auf dem Land

Die Stiftung Landengel und der Verein Landengel e.V. möchten in der von der Landflucht und demografischen Wandel betroffenen Region Seltenrain ein neues Gesundheits-, Pflege- und Versorgungsnetzwerk errichten. Die sogenannten Gesundheitskioske sind dabei ein elementarer Bestandteil. Sie sollen die Gesundheitsversorgung vor Ort verbessern und ambulante Versorgung und Beratung unmittelbar für die Bevölkerung zur Verfügung stellen, um eine etwaige soziale Isolation zu verhindern. Und genau dieser Aufgabe der Gestaltung und Errichtung eines neuen Gesundheitskiosks im engen Austausch mit allen beteiligten Akteur*innen stellte sich das internationale Studierenden-Team. Der Bauplatz war bereits bekannt: der Konsum-Supermarkt. Das Vorsorgewesen auf dem Land findet so eine neue räumliche Gestalt in der Umnutzung der vorhandenen Bausubstanz. 

Sundhausen wird Pink

Angesichts der Klimaproblematik stand diese Bauhütte erneut unter dem Motto des zirkulären Bauens. Das Het Nieuwe Instituut Rotterdam übersandte das Holzmaterial des pinkfarbenen Daches von MVRDV nach Thüringen zur Wiederverwendung. Die Veldacademie Rotterdam spendete ebenfalls Holzmodule eines mobilen Theaters, die nun eine neue Bestimmung in der sich transformierenden Dorfmitte haben. Darüber hinaus suchten die Bauhüttler*innen in der Umgebung selbst nach recyclebaren Textilien und setzten sie ein. Die Umgestaltung des Konsum-Supermarktes fand vom Innenausbau bis zur Platzgestaltung im Außenraum statt. Vom Möbelbau, über Textilarbeit bis hin zum Lehmbau haben die Beteiligten eine ganze Bandbreite handwerklicher Tätigkeiten durchgeführt und im Austausch mit den Dorfbewohner*innen für ihre Ausbildung profitieren können.