Aus Räumen werden Dinge: Wie LOES.BETA architektonische Praxis in Möbel übersetzt
Aus dem Berliner Studio LOES heraus gründeten drei Architekten LOES.BETA – und formulierten mit industriell hergestellten Möbeln ein eigenständiges Designverständnis.
Gonzalo Lizama, Onur Özdemir und Lukas Specks gründeten 2017 das Berliner Architekturbüro STUDIO LOES – ein Studio für „Leftovers, Objects and Spaces“. Das Büro arbeitet bevorzugt im Bestand, mit dem Anspruch, dass Räume langfristig und leistbar funktionieren. 2021, inmitten von Unsicherheit, Umbruch und dem Bedürfnis nach Eigeninitiative, riefen sie LOES.BETA ins Leben: ein Möbellabel. Ihr Ziel: Designobjekte entwerfen, die aus architektonischem Denken entstehen, industriell gefertigt werden können und dennoch erschwinglich sind.
#StudioUnderConstruction wirft einen Blick auf Entstehungsgeschichten, Projekte und Philosophien von Architekturbüros, die ihre Gründung innerhalb der letzten fünf Jahre vollzogen haben – oder mittendrin stecken. Eine Reihe von und für Newcomer*innen.
Architektur für den Alltag
Gonzalo, Onur und Lukas lernten sich über das Studium an der Technischen Universität Berlin kennen. Die Entscheidung zur eigenen Bürogründung fiel nicht aus einem fertigen Plan heraus, sondern wuchs aus gemeinsamen Projekten, Gesprächen und architektonischer Haltung. Die Überzeugung von STUDIO LOES lag im Weiterbauen. Ohne Investor*innen oder institutionelle Rückendeckung arbeitete das Trio zunächst an klassischen Aufträgen im Berliner Wohnungsbestand: Dachaufstockungen, Ladenumbauten, kleinteilige Nachverdichtungen. In dieser Arbeit wurde ihnen vertiefend klar: Architektur ist mehr als Wettbewerbserfolge – es geht um konkrete Eingriffe, um Verbesserung von Raumqualität und um langfristige Nutzbarkeit. „Wenn wir uns nicht selbst um diese Projekte kümmern, tun es andere – meist große Entwickler*innen, die rein wirtschaftlich agieren“, sagt Gonzalo.
Die Projekte von LOES zeigen, wie selbst in engen Wohnungsgrundrissen neue Raumlogiken entstehen. Behutsam agieren sie im Umgang mit historischer Substanz, pragmatisch bei Budget- und Platzfragen, aber mit gezielten Eingriffen. Das Büro versteht sich nicht als Interior-Stylist, sondern als Umbau-Architekt*innen, die in Bestandsräumen neue Qualitäten und mehr Platz schaffen wollen.
Objekte, die aus dem Bauen heraus entstehen
Als die drei Architekten 2017 in das erste eigene Büro zogen, fehlte es an erschwinglicher und zugleich gestalterisch überzeugender Einrichtung. Paul und Petra, der erste Stuhl und die erste Bank im Selbstbau, stießen schnell auf Interesse bei Freund*innen und Gästen. Seither gestalten sie regelmäßig Möbel für ihre Projekte – individuell und abgestimmt auf die jeweilige Umbausituation.
Was als internes Nebenprojekt begann, entwickelte sich schließlich zur zweiten Gründung: LOES.BETA, eine eigenständige GmbH für Möbelgestaltung und -produktion. Das junge Label versteht sich nicht als luxuriöses Designhaus, sondern als Hersteller für ein gestalterisch geschultes Umfeld. Dazu entwickeln sie Designermöbel, die auch leistbar sein sollen.
Robuste radikale Einfachheit
Seit 2021 produziert und verkauft LOES.BETA Stühle, Tische, Bänke und sogar Aschenbecher. Dieses zweite Standbein gewann während der Corona-Pandemie an Bedeutung. Im Zentrum der Produktentwicklung steht ein einfaches, aber durchdachtes Prinzip: das sogenannte Interlock-System. Zwei Seitenteile, eine verbindende Platte, kein Kleber, reine Mechanik. Diese Art des Fügens zieht sich durch die frühen Holzmöbel ebenso wie durch die aktuellen Aluminiumprodukte.
In der Produktion setzen sie auf industrielle Laserverfahren und verzichten bewusst auf Oberflächenveredelung. Herstellungsspuren bleiben sichtbar und werden Teil des Designs. So entstehen robuste, sortenreine Möbel, die langlebig und recyclingfähig sind. Die Produkte lassen sich flach verpacken, versenden und einfach montieren – ein ökologisch und praktisch durchdachtes Konzept, das zudem wichtig für ihre eigene Arbeitslogistik ist. Das Berliner Büro zeigt, wie sich aus räumlichem Mangel neue - gar zweite - Wege erschließen lassen und wie ein bewusster Umgang mit jedem Element der Planung aussehen kann.