Platz 10
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März / April 2017

Technische Universität Braunschweig

DER RAUM KÖNNTE AUCH ANDERS SEIN

Entwurf einer polysensuellen Immersionsarchitektur

von Jennifer Kamm

Hochschule:

Technische Universität Braunschweig

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

16.02.2017

Lehrstuhl:

IMD _Institute of Media and Design / Prof. Dipl. Ing. Matthias Karch

Rubrik:

Experimentelle Entwürfe

Software:

Photoshop, Illustrator, 3ds Max, Archicad

Es galt auf den Zufall und die Wahrscheinlichkeit, kurzum auf die Eigenlogik von bestimmten Strukturformen und Materialien zurückzugreifen und diese als Ausgangspunkt des Entwurfes zu nutzen, um letztendlich mit Hilfe von formbildenden Prozessketten einen immersiven Innenraum zu erschaffen.

Das ca. 3000qm große Gebäude soll hierbei als ein Ereignis- & Veranstaltungsraum für Text und Sprache, Lesungen, Poetry Slam oder Diskussionen dienen. Um dieses Thema aufzugreifen, wurde nun die Sprache bzw. das gesprochene Wort an sich als Ausgangsmaterial gewählt. Dabei war es wichtig, den Sinn der Worte auf den Ort und den damit verbundenen geschichtlichen Hintergrund zu beziehen und gleichzeitig eine gemeinsame, zeitlose Bedeutung zur heutigen Nutzung zu generieren.

Das sich auf die damalige politische Situation und der vorherrschenden Rassendiskriminierung in den USA beziehende Zitat von Martin Luther King "Unser Leben endet an dem Tag, an dem wir über Dinge schweigen die wichtig sind", ist in der Hinsicht passend, da es zum einen den Gesichtspunkt der ehemals an dem Ort vorherrschenden Gestapo Hauptzentrale und das fast unbegreifliche Stillschweigen über die Existenz der Folterkeller, trotz all der offensichtlichen Grausamkeit, thematisch aufgreift. Zum Anderen passt es zu der Nutzung des Gebäudes, da ein Poetry Slam, sowie Diskussionen oder Lesungen immer auch den Mut erfordern aufzustehen und laut seine Überzeugungen zu vertreten.

Im weiteren Vorgehen wurde das Zitat gesprochen, aufgezeichnet und (in drei Abschnitten unterteilt) als Schallwellen ausgegeben. Diese wurden in Hinsicht auf die Nutzung etwas in ihrer Form verändert und in drei der sechs Geschossplatten geschnitten. Die restlichen drei Öffnungen ergeben sich aus der abtreppenden Fortsetzung dieser Schallwellen. Übereinander gesetzt, wodurch das Zitat von unten nach oben hin lesbar wäre, entsteht so das Grundgerüst des Gebäudes mit einer Art Korb bzw. Nest in der Mitte, welches als zentraler Veranstaltungsraum dient.

Um den Kontrast gegenüber dem Stillschweigen zu verdeutlichen, wurden weitere Gegensätze konzeptionell in den Entwurf integriert:
Zunächst beschreibt das aufgeständerte, scheinbar schwebende Erscheinungsbild des Gebäudes (im Modell nicht sichtbar) einen Kontrast gegenüber den Folterkellern und somit gegenüber dem Verschweigen von Informationen. Zudem stehen sich die fünf Etagen mit abwechselnd je geschlossenen und offenen Außenbezügen gegenüber, welche sich ebenfalls in ihrer Raumhöhe unterscheiden. Die Öffnungen in der geschlossenen Fassade liegen hierbei dem Prinzip einer Mini-Drehorgel zugrunde. 26 weitere Zitate wurden dafür ebenfalls aufgezeichnet und in die entsprechende Tonabfolge übersetzt. Während diese geschlossenen Ebenen dem großen Saal zugeordnet sind, beherbergen die offenen Ebenen das restliche Raumprogramm. Beide Seiten sind durch Öffnungen in den Schallwellenabschnitten miteinander Verbunden.