Zukunftsszenarien für Öckerö: Das Studio „Archipelago“

Wie könnte ein Hafen aussehen, der flexibel, lebendig und resilient zugleich ist? Masterstudierende entwickeln zusammen mit der Gemeinde Öckerö drei mögliche Zukunftsszenarien für einen Ort im Umbruch.

Wie verändert sich ein Hafen, wenn seine bisherigen Funktionen brüchig werden? Und wie sieht Planung aus, die nicht festlegt, sondern zunächst zuhört? Unter der Leitung von Prof. Joachim Schultz-Granberg nutzt das Studio Archipelago an der Münster School of Architecture diese Fragen als methodisches Werkzeug und entwickelt zusammen mit der Planungsbehörde der schwedischen Inselgemeinde Öckerö Zukunftsversionen für ein Areal, das längst begonnen hat, sich neu zu ordnen.

Hafen im Wandel

Öckerö steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Die traditionelle Fischerei verliert an Bedeutung, Werftareale konzentrieren sich neu, und gleichzeitig wächst der Druck durch Tourismus, Wohnraumbedarf und den Umgang mit klimabedingten Wasserstandsveränderungen. Für die 20 Masterstudierenden wurde dies unmittelbar erfahrbar. Während einer Exkursion in den Göteborger Schärengarten und Gesprächen mit Politik und Verwaltung zeigte sich die Komplexität des Ortes – und die Notwendigkeit, planerische Antworten nicht vorschnell festzuschreiben. In zehn Teams entwickelten die Studierenden daher drei unterschiedliche Szenarien, die den Hafen nicht fixieren, sondern seine Potenziale sichtbar machen sollen. Im Fokus steht dabei einen flexibleren Umgang mit zukünftigen Entwicklungen, der neue Spielräume statt geschlossener Lösungen eröffnet.

Szenario 1: Zwischen urbanem Zentrum und geschützter Natur

Das erste Szenario Big Structures, High Density untersucht, wie größere bauliche Interventionen die Identität Öckerös verändern könnten. „Harbour and Haven“ von Sontje Mölders und Lars Westhoff koppelt ein Meeresforschungszentrum mit einem neuen Platz und schafft damit einen urbanen Anker, während ein geschützter Park in Krabbedammen als landschaftlicher Gegenpol wirkt. „Path Scaping“ von Annika Marquardt und Henrietta Patzak verbindet Wege, Plätze und Dachlandschaften zu einer zusammenhängenden räumlichen Sequenz.

Szenario 2: Weiterbauen im Kleinen

Im Szenario „Smaller Structures, Medium Density“ rücken kleinteilige Typologien in den Vordergrund. Hierbei erforschten die Studierenden räumliche Übergänge, die sich stärker an der bestehenden Inseltopographie orientieren sollten. Zentral war hier die Untersuchung, wie sich neue Nutzungen in das vertraute Bild von Hafenhütten und Werkstätten einfügen können, ohne sie zu überformen.

„Connecting Cluster“ von Melina Blatt und Julian Siebert setzt dort an: Der Entwurf schafft gestufte Treffpunkte, die Alt- und Neu-Öckerö miteinander verbinden und den Höhenunterschied von drei zu sieben Metern als räumliche Qualität nutzen. Einen anderen Zugang wählen Moritz Mertens und Franziska Heimann mit „Creative Sheds“, die die typischen Hafenhütten neu interpretieren. Statt sie zu ersetzen, gruppiert das Projekt sie modular und strickt daraus ein Netz aus Kultur-, Freizeit- und Arbeitsorten. So soll ein Hafen entstehen, der sich weiterentwickelt, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren.

Szenario 3: Leben mit dem Wasser

Das dritte Szenario „Public Water Scape, Low Density“ bezieht sich direkt auf die zunehmende Bedeutung der Wasserdynamik für Öckerö. Wie reagiert man auf schwankende Wasserstände, ohne sich nur defensiv zu verhalten? Was passiert, wenn man das Wasser als Mitgestalter akzeptiert?

„Urban Contrast“ von Hanna Dreesmann und Alina Gesing entwirft Räume, die ökologisch wie ökonomisch tragfähig bleiben – selbst bei Hochwasser. Andere Teams arbeiteten stärker landschaftsarchitektonisch: „Boardwalking“ von Pia Marlene Feldwisch und Melissa Ahmadi schließt eine entscheidende Lücke im Skärgårdsleden und lässt ein Stegsystem entstehen, das sich wie ein bewegliches Band durch das Gelände zieht, mal Aussichtsplattform, mal Treppe, mal Freiluftkino. Besonders radikal denkt das Projekt „From Land to Water“ von Pauline Buske, Anke Langenkamp und Büşra Nur Sari. Statt dem steigenden Meeresspiegel auszuweichen, verwandelt das Konzept Teile des Hafenlands in einen Wasserpark und schafft entlang einer erhöhten Promenade neue Aufenthaltsorte.

Methoden für Küsten im Wandel

Die Entwürfe erproben ein Vorgehen, das für fragile Küstenorte künftig zentral sein könnte: Wandel nicht zu kontrollieren, sondern ihn architektonisch so zu rahmen, dass aus Unsicherheit gestalterische Freiräume entstehen. Öckerö wird hier zum Beispiel dafür, wie sich Uferzonen schrittweise weiterbauen, bestehende Strukturen produktiv umnutzen und neue öffentliche Räume schaffen lassen – ohne den Charakter des Ortes aus den Augen zu verlieren.