Freiräume mit System: Peter-Joseph-Lenné-Preis entschieden
99 Einreichungen aus zwölf Ländern, drei Aufgaben, drei Städte: Der Nachwuchswettbewerb zeigt, wie Entwerfer*innen europäische Freiräume zwischen Klimastress und Revitalisierung angehen.
Am 9. Oktober 2026 wurden in der Berliner Akademie der Künste die Preisträger*innen des 51. Peter-Joseph-Lenné-Preises ausgezeichnet. Seit Mitte der 1960er-Jahre organisiert das Land Berlin diesen internationalen Ideenwettbewerb für den Nachwuchs der Landschaftsarchitektur, Freiraumplanung und Stadtentwicklung.
Mit 99 Einreichungen zählt 2026 zu den beteiligungsstärksten Jahrgängen der Vergangenheit. Das Preisgeld von 24.000 Euro verteilte der Auslober auf drei Preise und drei Anerkennungen – jeweils eine pro Kategorie. Die Karl-Foerster-Stiftung vergab außerdem drei weitere Anerkennungen zu je 500 Euro für herausragende Pflanzenverwendung.
Drei Aufgaben, drei Maßstäbe: Ideen für Berlin, Freiburg und Prag
Der weltweit wohl größte Wettbewerb für diese Disziplinen teilt sich in drei Aufgaben. Jede davon behandelt eine räumliche Ebene. Regional ging es um den Tilla-Durieux-Park in Berlin. Gelegen am Potsdamer Platz leidet die lange, geneigte Rasenfläche – ein Parkentwurf der 1990er-Jahre – unter den Folgen des Klimawandels. Auf nationaler Ebene stellte sich die Frage nach einem neuen Park für Freiburg. Die westliche Dreisamaue sollte mit grüner Infrastruktur zwischen wachsenden Wohnquartieren und Naherholung vermitteln. International stand der Güterbahnhof Žižkov in Prag im Fokus – ein 35 Hektar großes Areal mit historischem Bahnhofsgebäude, geplanter Straßenbahntrasse und neuem Stadtquartier. Gesucht war eine Strategie zum Umgang mit künftigen öffentlichen und halböffentlichen Räumen. Für Berlin gingen 59 Arbeiten ein, für Prag 32 und für Freiburg nur acht.
Alle Preisträger*innen im Überblick
Aufgabe A – Berlin: Freiraum im Klimawandel, Tilla-Durieux-Park
- Lenné-Preis: Julius Schwarz (Berlin) – „Ein Ort, kein Denkmal“
- Lenné-Anerkennung: Robin Tammer, Simeon von Russow, Floris Duquesnoy (alle Berlin) – „Continuum“
- Karl-Foerster-Anerkennung: Jiewen Hu, Zicheng Zhao, Yuehui Gong, Kwan Yu (Lilian) Chung (alle USA) – „The Latent Ground“
Aufgabe B – Freiburg: Vision für den Freiburger Westen
- Lenné-Preis und Karl-Foerster-Anerkennung: Junyi Fan (Shenzhen/China) – „Basins of Cradle“
- Lenné-Anerkennung: Shresthankar Das Sarkar (Lübeck), Nur e Tazallee Mehjuba Hisan (Offenbach), Mahlaqa Fahami, Abu Sayeed Mohammed Ziad (beide Berlin) – „Wo die Dreisam trägt“
Aufgabe C – Prag: Güterbahnhof Žižkov
- Lenné-Preis: Luca Bennet Fritz (Laubach), Manuel Eberts (Mannheim), Kaja Lipka (Darmstadt) – „Dritte Landschaft“
- Lenné-Anerkennung: Sophia Wagner, Hanna Trautmann (beide Kaiserslautern) – „NNŽ – Natur Nahes Zusammenleben“
- Karl-Foerster-Anerkennung: Zhiyu Zhang (USA) – „Rail Memory, Living Ground“
Park, Ufer, Stadt
Der Berliner Preisträger Julius Schwarz programmierte die 400 Meter lange Rasenfläche mit neuen öffentlichen Nutzungen. In seinem Projekt „Ein Ort, kein Denkmal“ schaffen Wasserbecken und Bäume ein temperiertes Mikroklima. Freibühnen und Sportplätze animieren den Platz, und ein Parcours führt bis zum Landwehrkanal. Diese Vernetzung mit der Umgebung sowie das nutzungsoffene Teilhabekonzept überzeugten die Jury.
Für Freiburg gliederte Junyi Fan aus Shenzhen den Stadt- und Landschaftsraum in drei Freiraumtypen: Cradle of Ecology, Cradle of Living und Cradle of Memory. Sogenannte „Basins of Cradle“ verbinden Natur und Wohngebiet. Besonders anschaulich: die Inszenierung der historischen Gaskugel am renaturierten Dreisam-Ufer. Der Entwurf erhielt zusätzlich die Karl-Foerster-Anerkennung.
Das Team Luca Bennet Fritz, Manuel Eberts und Kaja Lipka entwarf für Prag drei lineare Stränge: Natur, Freizeit, Anbindung. Die Arbeit „Dritte Landschaft“ nutzt die Linearität der Bahntrassen als gestaltendes Element, das zwischen urbanem Westen und naturnahem Osten vermittelt sowie Naherholungsgebiete verbindet. Die Jury lobte etwa die Qualität der öffentlichen Räume.
Freiraum als Teil der Stadtentwicklung
Peter Joseph Lenné gilt als einer der bedeutendsten deutschen Gartenkünstler und Landschaftsplaner des 19. Jahrhunderts. Er plante Grünräume als zusammenhängende Infrastruktur und verstand Naherholung als soziales Gut. 160 Jahre nach seinem Tod fordert der nach ihm benannte Preis genau jenes ganzheitliche Denken vom Nachwuchs ein. Die diesjährige Ausschreibung zeigte es deutlich: Klimaanpassung bestehender Parkanlagen, Renaturierung urbaner Flüsse und Umnutzung von Bahnbrachen sind Herausforderungen der Freiraumplanung, die sich kaum in einem Maßstab erfassen lassen. Umso wichtiger nimmt sich der strategische Ansatz aus, der mit einer überzeugenden Gestaltung einhergeht.