Umbau Frohbotschaftskirche in Hamburg-Dulsberg Betonsole-Speichersystem und Solarthermie sorgen für Wärme
20.10.2020
Bild: Jürgen Schmidt, Köln
Seit vielen Jahren zwingen schwindende Mitgliederzahlen Kirchengemeinden zum Umdenken bei der Nutzung ihrer Häuser. So auch bei der Frohbotschaftskirche im Hamburger Stadtteil Dulsberg, in der nach einem weitreichenden Umbau nach Plänen von WRS Architekten und Stadtplaner zusätzlich die Kirchengemeinde sowie eine Kita Platz gefunden haben. Der Kirchenraum wurde dabei nach dem Haus-im-Haus-Prinzip umgestaltet. Die Wärme im Innenraum wird durch ein Betonsole-Speichersystem bereitgestellt.
Das Gotteshaus wurde von Friedrich Dyrssen und Peter Averhoff von 1935 bis 1937 erbaut, in einer Zeit des politischen wie gesellschaftlichen Umbruchs, der sich auch auf die Architektursprache auswirkte. Ein paar Jahre zuvor war das 1919 gegründete Bauhaus von den Nationalsozialisten zwangsgeschlossen worden. Politisch gewollt erlebten dafür historisierende Baustile wie der Klassizismus eine Renaissance. Dieses schwierige Spannungsfeld zwischen im Keim ersticktem Aufbruch und Rückwärtsgewandtheit ließ sich an der Frohbotschaftskirche gut ablesen. Sie war eine Mischung aus Neoklassizismus und Moderne mit streng gegliederter Backsteinfassade und Satteldach, innen jedoch als moderne Saalkirche in reduzierter Formensprache ausgeführt. Das Traggerüst der Haupthalle besteht aus einem biegesteifen Stahlgerüst, eine damals noch recht junge Baumethode. Im Krieg wurde das Bauwerk schwer beschädigt, 1953 von denselben Architekten jedoch wiederaufgebaut, leicht verändert und mit einer flachen Decke im Innenraum.