Synagoge und Gemeindezentrum in Regensburg Die stehend vermauerten Ziegel erinnern an Bücher einer Bibliothek
26.11.2020
Bild: Marcus Ebener, Berlin
In der Reichspogromnacht von 1938 gab der Regensburger
Oberbürgermeister Otto Schottenheim die Anweisung, die brennenden
Gebäude der historischen Altstadt zu löschen – nicht aber die
Synagoge. Seitdem mahnte die Leerstelle in der Altstadt des
Unesco-Kulturerbe an die NS-Zeit. Das jüdische Gemeindezentrum in
Regensburg blieb zwar erhalten, doch der eigentliche Sakralbau
fehlte fast achtzig Jahre lang. Mit einem Architekturwettbewerb für
eine neue Synagoge und die Sanierung des Gemeindezentrums wagte man
2015 einen Neuanfang für die wachsende jüdische Gemeinde von
Regensburg. „Wir haben etwas wieder gut zu machen“, schrieb der
damalige Oberbürgermeister Joachim Wolberg bei der Grundsteinlegung
ins Stammbuch. Staab Architekten aus Berlin haben einen schlichten,
aber markanten Bau geschaffen, der den Spagat zwischen Offenheit
und notwendigen Sicherheitsvorkehrungen ebenso meistert wie den
zwischen Anpassung an den historischen Bestand und zeitgemäßer
Formensprache.
Ein Stück Jerusalem in Regensburg
Der Neubau wurde an derselben Stelle wie die niedergebrannte
Synagoge errichtet und vervollständigt damit das „Sakrale Dreieck“
aus katholischem Dom im Norden, protestantischer Neupfarrkirche im
Westen und jüdischer Synagoge im Süden. Gemeindezentrum und
Synagoge sind in einem gestaffelten Baukörper untergebracht, dessen
Fassade aus geschlämmten, hochkant vermauerten Ziegeln die
Straßenecke maßgeblich prägt. Das Hauptvolumen, das den
Andachtsraum beherbergt, erhebt sich über einem quadratischen
Grundriss und wird von einer flachen, metallgedeckten Kuppel
bekrönt. Ein L-förmiges, dreigeschossiges Volumen schließt das
Ensemble nach Norden ab und fasst einen Innenhof. Der Neubau ist
mit dem vormaligen Gemeindehaus von 1912 verbunden, das im Rahmen
der Bauarbeiten saniert wurde.