Schnellbahnhof in Kenitra Dreiecksförmige Isolierverglasungen zwischen UHPC-Beton
12.09.2020
Bild: Takuji Shimmura, Paris
In Marokko wird aktuell ein Hochgeschwindigkeitszugnetz als
königliches Bauprojekt realisiert, welches bis zum Jahr 2035 eine
Länge von insgesamt 1.500 Kilometern erreichen soll. Es ist
dem französischen TGV-Netz nachempfunden und soll zwei
Hauptstrecken umfassen. Ein Hauptabschnitt ist die
Schnellfahrstrecke LGV Tanger-Kenitra (kurz für Ligne à grande
vitesse Tanger-Kénitra). Mit einer Länge von 200 Kilometern
führt sie seit 2018 von Tanger nach Kenitra. Zweck der
Neubaustrecke ist es, die bereits bestehenden, stark beanspruchten
und kurvenreichen Strecken zwischen den Wirtschaftsmetropolen
Casablanca/Rabat und Tanger zu entlasten. Mit der Verlagerung des
Personenfernverkehrs auf die Schnellfahrstrecken soll die
freiwerdende Kapazität auf den atlantischen Altbaustrecken für den
Güterverkehr zum Hafen Casablanca und zum Containerterminal
Tanger-Med genutzt werden.
Der Bahnhof als multifunktionaler Knotenpunkt
Der Bahnhof in Kenitra wurde durch Silvio d’Ascia Architecture als
„Schmuckkästchen” entworfen und orientiert sich in seinem Baustil
an der islamischen Architektur. Das Gebäude dient nicht nur dem
Reiseverkehr, sondern ist räumlich und funktional auch als Zentrum
für das alltägliche öffentliche Leben konzipiert. Bewohner der
angrenzenden Stadtviertel konnten bislang nur über einen schmalen
unterirdischen Durchgang die nördlich gelegene Altstadt erreichen.
Heute hingegen erfolgt die Verbindung bequem zu Fuß entlang
zahlreicher Geschäfte.