Erweiterung Jüdisches Museum Frankfurt Dach als fünfte Fassade

30.06.2022

Zwischen Neu und Alt entstand ein öffentlicher Platz: Staab Architekten schufen einen monolithisch wirkenden Baukörper, der die Farbgebung des Bestands aufnimmt und dessen strukturierte Putzfassade auf die horizontale Gliederung seines Gegenübers verweist.
Bild: Brigida Gonzalez

Bei der Erweiterung des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main treten historische und zeitgenössische Architektur in einen spannenden städtebaulichen Dialog. Der Neubau war aufgrund des wachsenden Raumbedarfs erforderlich geworden. Staab Architekten planten ihn als Gegenüber des denkmalgeschützten Bestands, nahmen dessen Farbgebung auf und schufen Bezüge zu dessen horizontaler Gliederung. Geradlinigkeit, Asymmetrien, wenige, große Öffnungen und eine schnörkellose Formensprache machen das neue Bauwerk als solches klar ablesbar. Neu und Alt wirken als Ensemble – die Erweiterung verankert gleichsam das Bestehende.

Eingangsplatz, Garten und Terrasse

Das Jüdische Museum Frankfurt wurde 1988 im historischen Rothschildpalais am Untermainkai eröffnet. Die im Jahr 2020 vollendete Erweiterung bietet einen Bereich für Vorträge und Symposien, eine Fachbibliothek, einen Raum für Wechselausstellungen, ein Café sowie Werkstätten und Verwaltungsräume. Städtebaulich auf der Rückseite der Altbauten gelegen, ist der Neubau als Solitär mit ausreichend Abstand konzipiert. Im Zusammenspiel der Bauten entsteht ein Platzraum, der zugleich einen neuen Eingangsbereich ins Museum schafft. Auf diesem Vorplatz, dem Bertha-Pappenheim-Platz, steht die weithin sichtbare Aluminiumskulptur des Künstlers Ariel Schlesinger. Sie stellt zwei vertikal miteinander verflochtene Bäume dar, als Sinnbild des Wechsels zwischen gesellschaftlicher Verankerung und Entwurzelung der Frankfurter Jüdinnen und Juden. Dem öffentlichen Vorplatz angegliedert ist ein kleiner, der Geländetopografie folgender Garten, der von der erhöhten Terrasse des Cafés begrenzt wird. Unter dieser Terrasse befindet sich die Verbindung zwischen Neubau und Altbauten.

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