Bürogebäude Gösserhalle in Wien Lokomotivwerkstatt wird Bürogebäude
24.06.2024
Bild: © tschinkersten fotografie
Das Stadtviertel Neues Landgut im Wiener Gemeindebezirk Favoriten ist geprägt durch Wohnungsbau in Kombination mit vielfältigen Gewerbeflächen. Unmittelbar in Bahnhofsnähe findet sich dort ein Zeitzeugnis der Geschichte der Österreichischen Bundesbahn: Eine der ehemaligen Werkshallen von 1902 war ursprünglich für die Reparatur von Lokomotiven errichtet worden und diente ab 1950 der Gösser-Brauerei als Lager für ihre Bierfässer. Anschließend wurde sie als multifunktionaler Veranstaltungs- und Kulturort genutzt, bis die Stadt 2020 einen Wettbewerb auslobte, um den erhaltenswerten Bestand zu einem zeitgemäßen Bürogebäude zu konvertieren. Den Zuschlag erhielt das Büro AllesWirdGut mit ihrem außergewöhnlichen Entwurf: Entkernt und vom Dach befreit, wurde die alte Industriehalle anschließend mit der neuen Architektur gefüllt.
Identitätsstiftende Ziegelfassade
Durch den Erhalt von Teilen der historischen Gebäudehülle ist die charakteristische Ziegelfassade mit ihren Rundbögen nach wie vor erlebbar. Die Planungsbeteiligten konnten durch ihr Konzept vom Haus-im-Haus einer der größten Herausforderungen im Projekt begegnen: Die historische Halle war mit 19 Metern Tiefe als Werkstatt an die Abmessungen von Lokomotiven angepasst. Somit überstieg sie naturgemäß die idealen Trakttiefen eines Bürogebäudes. Um die erforderliche Belichtung im neuen Bürogebäude erreichen zu können, wurde das Dach abgetragen und der dreigeschossige Neubau mit einem Abstand von drei Metern zur alten Bestandsmauer eingesetzt. Dadurch konnte eine für ein Bürogebäude angemessene Gebäudetiefe von 16 Metern umgesetzt werden: Außerdem entstand dadurch eine Zone zwischen alter und neuer Fassade, den die Beteiligten unbebaut beließen und der nun als umlaufender geschützter Außenraum dient – unter anderem für Sitzgelegenheiten der Restaurants im Erdgeschoss.