Berlins neue Altstadt Fünf Entscheidungen am Molkenmarkt
01.07.2026
Bild: a:dks plus, Basis: Geoportal Berlin
Seit Jahren diskutiert Berlin über die Bebauung am Molkenmarkt, jenes prominente Areal zwischen Stadthaus und Rotem Rathaus. Wie historisch wollen wir auf den landeseigenen Grundstücken wieder aufbauen, wie zukunftsorientiert wollen wir sein? Wer soll künftig im Stadtzentrum wohnen dürfen und sich eine Wohnung leisten können? Und schließlich: Wie lässt sich das alles bezahlen? Auch wenn der Molkenmarkt verglichen mit anderen Projekten der Stadt ein kleines Areal umfasst, steht der Prozess beispielhaft für die aktuelle Stadtentwicklungspolitik der Hauptstadt.
Nach monatelangen archäologischen Grabungen, einem heftig kritisierten städtebaulichen Wettbewerbsverfahren und dem Beschluss des Rahmenplans wird seit 2025 im architektonischen Maßstab geplant. Das Gesamtareal umfasst fünf Blöcke. Die Blöcke A und B realisiert die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte (WBM). Im ersten Realisierungswettbewerb für den Teilbereich B/1 waren im November 2025 bereits Entwürfe für 3 Lose prämiert worden.
- 1. Preis: Hemprich Tophof (Berlin) mit Max Dudler (Berlin) und Simone Boldrin Architettura (Berlin)
- 2. Preis: Urban Agency (Kopenhagen)
- 3. Preis: Peter W. Schmidt + Assoziierte (Berlin) mit Fischer Rüdenauer Architekten (Stuttgart) und Atelier Kaiser Shen Architekten (Stuttgart)
Los 2: Vier Gebäude in Block B/2 und Block A. Für jede Arbeit wurde eine Aufwandsentschädigung über 6.000 Euro netto gezahlt.
- 1. Preis: von Ey Henkel Architektur (Berlin) mit jessenvollenweider architektur (Basel) und Trutz von Stuckrad Penner Architekten (Berlin)
- 2. Preis: Duplex Architekten (Hamburg) mit Gort Scott Architects (London) und Kim Nalleweg Architekten (Berlin)
- 3. Preis: Senator. Project Management Service (Dresden)
Los 3: Vier Gebäude in Block B/2 und Block A. Für jede Arbeit wurde eine Aufwandsentschädigung über 7.000 Euro netto gezahlt.
- 1. Preis: P/E/P Architekten + Stadtplaner (Münster) mit Kleihues + Kleihues (Berlin) und Muck Petzet Architekten (München)
- 2. Preis: Schmitt von Holst Architekten Partnerschaft (Berlin) mit van geisten.marfels architekten (Potsdam)
- 3. Preis: Harris + Kurrle Architekten (Stuttgart)
Los 4: Kulturbaustein Block A. Für jede Arbeit wurde eine Aufwandsentschädigung über 16.800 Euro netto gezahlt.
- 1. Preis: Lederer Ragnarsdóttir Architekten (Berlin) mit Baumschlager Eberle Architekten (Berlin)
- 2. Preis: Caruso St John Architects (London)
- 3. Preis: Thomas Müller Ivan Reimann (Berlin)
Los 5 betrifft die übergeordnete Gestaltung der Erdgeschosszone im Block A. Eine durchgehende Arkaden beziehungsweise Kolonnade soll die unterschiedlichen Häuser gestalterisch verbinden und einen zusammenhängenden Stadtraum schaffen.
- 1. Preis: Team von Ey Henkel Architektur (Berlin) mit jessenvollenweider architektur (Basel) und Trutz von Stuckrad Penner Architekten (Berlin) als Gestaltungsvorgabe für die umlaufende Arkade im Inneren von Block A
Die Initiative Offene Mitte Berlin setzt sich für den Erhalt grüner und öffentlicher Freiräume in dem Gebiet ein und steht einer dichten Bebauung in der Stadtmitte kritisch gegenüber. Sie erinnerte in einer Pressemitteilung zum Wettbewerbsergebnis an die Kostenvorgaben des Landesrechnungshofes sowie an das Ziel des Senats, kostengünstigen Wohnraum schaffen zu wollen und machte Vorschläge für Baukostensenkungen. Potenzial böten etwa die rigiden Bebauungsleitlinien in Bezug auf die Maisonette-Einheiten und die Materialität der Fassaden. Eine gute Gestaltung sei auch ohne Sockelbereiche aus Naturstein möglich, heißt es in dem Schreiben.
Die WBM wird nun ein Vergabeverfahren mit den drei prämierten Teams pro Los durchführen, heißt es wiederum in der Presseerklärung des Senats. Bei der Bewertung werde die Platzierung im Wettbewerb zentrales Kriterium sein. Auch die geplante Organisation der weiteren Projektbearbeitung sowie das Honorarangebot sollen in die Entscheidung einfließen. (fm)