Buchtipp: Buildings on Standby Die Hochhausscheiben in Halle-Neustadt

01.07.2026

Hochhausscheiben A, B, C (2016)
Hochhausscheiben A, B, C (2016)
Bild: Hühne

Plattenbauten sind zur Zeit en vogue, das zeigt nicht erst diese Publikation. Nachdem sich ihnen im Potsdamer Minsk eine ganze Ausstellung widmete, setzte Künstlerin Sung Tieu auf der aktuellen Kunstbiennale in Venedig noch eins drauf und verpasste dem Deutschen Pavillon eine neue Fassade in Plattenbauoptik. Tieu bezieht sich dabei auf einen Gebäudekomplex in der Gehrenseestraße in Berlin Hohenschönhausen, der seit Jahren leer steht und einem Neubau weichen soll. Doch die Pläne sind ins Stocken geraten. Entkernt, aber nicht abgerissen, bewacht, aber nicht zwischengenutzt (bis auf unregelmäßige Führungen von Sung Tieu, die hier ein paar Jahre lang zusammen mit ihrer Mutter wohnte).

Wie dem ehemaligen Vertragsarbeiter*innenheim in Berlin geht es vielen markanten DDR-Bauten, die nach der Wende an private Investoren verkauft wurden und seitdem ein Zwitterdasein zwischen Potenzial und Scheitersymbolik führen, weil sie auf ihre Aktivierung warten und dabei verkommen. Während die Robotron-Kantine in Dresden seit letztem Jahr durch das Kunsthaus genutzt wird, bangt man weiter um die Zukunft des SEZ in Berlin und des Hotel Luniks in Eisenhüttenstadt. Die komplexe Gemengelage, die zu dieser Situation geführt hat, fächert Hendrikje Alpermann in ihrer nun veröffentlichten Dissertation am Beispiel der Hochhauscheiben in Halle-Neustadt auf. 

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