Fels und Dach für Muharraq Besucherzentrum in Bahrain von Valerio Olgiati
15.04.2019
Bild: Archive Olgiati
Es ist schon eine Weile her, da begeisterte der Beitrag des Bahrain bei der Architekturbiennale in Venedig die Jury. Kuratiert von Noura Al-Sayeh, glänzte das kleine Land 2010 mit einer selbstkritischen Auseinandersetzung bezüglich der anhaltenden Transformation der Inselgruppe. An die Stelle der engen Beziehung zum Meer in Zeiten der Fischerei, des Handels und des Perlentauchens sind auch hier die klimatisierten Hochhaustürme einer Dienstleistungsgesellschaft getreten. Mit ihnen hofft man, eine gewisse Unabhängigkeit vom Öl zu erreichen. Zumindest bei einigen Kulturbauten konnte dieser Trend allerdings gestoppt werden, und dafür ist wiederum Al-Sayeh verantwortlich. Sie leitet heute das Architekturdepartment der Bahrain Authority for Culture and Antiquities. In dieser Funktion hatte sie auch schon das OFFICE Kersten Geers David Van Severen für ein Kulturzentrum in die Altstadt von Muharraq geholt. Nun folgt mit Valerio Olgiati (Flims) ein weiterer Architekt, der mit seiner Arbeit vielschichtig auf die Umgebung einzugehen weiß, anstatt hier einfach nur aufzutrumpfen.
Olgiatis Projekt ist Teil des sogenannten Bahrain Pearling Trail, der – zum UNESCO Weltkulturerbe gehörend – einen Küstenabschnitt, drei Austernbänke, die Festung Qal’at Bu Mahir und 17 historische Gebäude mit Bezug zur Perlenfischerei umfasst. Die rötliche Betonstruktur bildet den Auftakt des Pfads durch Muharraq und beherbergt zugleich auch das zugehörige Museum. Beherbergen ist dabei allerdings ein rein relativer Begriff, denn wie ein fertiges Gebäude wirkt die Architektur gerade eben nicht: Massive Stützen tragen ein schlankes Dach, das wiederum von schlanken Türmen durchbrochen wird. Prismatische Betonelemente begrenzen dabei das Areal, was an den Schutzwall eines Botschaftsgebäudes in einem Krisengebiet denken lässt. Hat man hier eine notdürftig verbarrikadierte Bauruine vor sich? Die schmale Öffnung, die die Besucher empfängt, verstärkt diesen Eindruck noch. Zugleich gelingt es dem Gebäude bei aller Massivität der einzelnen Teile aber auch, wie eine provisorische Schutzarchitektur zu wirken. Und tatsächlich wurden im Inneren auch historische Strukturen integriert, deren Stützen das eigentliche Vorbild für Olgiati und die Projektleiterin Sofia Albrigo gewesen sein könnten.