Raum in Bewegung Urbanjobs gestaltet das Burgerlokal Ainen in Istanbul
Text von Jana Herrmann | 10.06.2026
Bild: İbrahim Özbunar I 645studio
In Istanbuls neuem Stadtquartier Tersane entwarf das Designstudio Urbanjobs auf nur knapp 155 Quadratmetern ein wandelbares Interieur für das Restaurant „Ainen“, das sich von einem Burgerladen am Tag zum abendlichen Bar-Hotspot transformieren lässt.
Istanbuls ehemaliges Werftareal im Stadtteil Beyoğlu war jahrzehntelang verlassen und für die Öffentlichkeit unzugänglich. Nun wird der Uferstreifen neu belebt: Im Herzen der türkischen Metropole – und mit Blick auf die historische Skyline – entsteht mit Tersane Istanbul ein neues Stadtquartier. Ähnlich wie bei den Londoner Docklands oder der Hamburger HafenCity wird die industrielle Geschichte des Orts dabei nicht ausgelöscht, sondern restauriert und in die zeitgenössische Architektur integriert. In diesem Rahmen erhielt das lokale Innenarchitektur- und Designstudio Urbanjobs den Auftrag, ein langes und schmales Raumvolumen von rund 155 Quadratmetern in eine Gastronomiefläche zu verwandeln.
Spektakuläre und multifunktionale Konstruktionen
Um dem Restaurant Ainen die Strenge einer korridorartigen Abfolge zu nehmen, nutzten die Architekt*innen die großzügige Raumhöhe für eine dreidimensionale Deckenkonstruktion. Die Oberfläche wurde lediglich verputzt, denn die Struktur selbst sollte optisch im Vordergrund bleiben, um dem Interieur Rhythmus und Bewegung zu verleihen. Küche und Bar sind als offene Bereiche an den beiden Längsseiten des Raums platziert. Das funktionale Herzstück bildet jedoch die Mittelachse: Dort fungiert eine multifunktionale Kücheninsel als zentrales Element. Tagsüber dient sie als Service-Station des Burgerrestaurants, während sie sich abends in ein stimmungsvolles DJ-Setup verwandelt.
Flexibilität statt starrer Szenarien
Das Team von Urbanjobs setzte auf Variabilität. Um das Ainen im Laufe des Tages an wechselnde Besuchergruppen anzupassen, wurden nahezu alle Einrichtungselemente als bewegliche Module konzipiert. Unterstützt wird dieses Raumgefüge von einem Lichtkonzept, das in Zusammenarbeit mit dem Studio NOX realisiert wurde. Statt auf punktuelle Spots setzten die Gestalter*innen auf ein geschichtetes System, das die Architektur der Decke betont. Je nach Tageszeit und Event kann das Licht intensiviert werden oder in den Hintergrund treten. So verändert sich die Raumwahrnehmung, ohne das Interieur auf ein Szenario festzulegen.
Kontrast statt Klischee
Bei der Materialauswahl verzichteten die Architekt*innen auf die Nachahmung industrieller Elemente, die das Tersane-Umfeld einst prägten. Ihr Entwurf sucht vielmehr den Kontrast zwischen Gestern und Heute. Die Wandfliesen bestehen zum Beispiel nicht aus traditionellem rotem Backstein, sondern wurden aus Lavastein gefertigt. Der Boden erhielt eine minimalistische Beschichtung aus Mikrozement, während die Einbauten aus hochwertigem Marinesperrholz bestehen, das mit einem Farblack veredelt wurde. Einen weiteren Akzent setzen die dunkel gebeizten Holzstühle DSC 106 von Giancarlo Piretti für Anonima Castelli. Ihre Ästhetik ergänzt die Materialkomposition des Raums – und unterstreicht gleichzeitig die elegante Handschrift von Urbanjobs.