Ikone der Moderne Film über Eileen Grays Villa E.1027 an der Côte d’Azur
Text von Norman Kietzmann | 16.10.2024
Bild: Rise And Shine Cinema
Ein Haus, ein Manifest: Als Eileen Gray ihr Sommerhaus in Roquebrune-Cap-Martin realisierte, schuf sie damit ein modernistisches Gesamtkunstwerk, das Architektur, Design und Interieur auf perfekte Weise verband. Der Tragödie hinter dem erst kürzlich komplett restaurierten Haus widmet sich der Film E.1027 – Eileen Gray und das Haus am Meer. Am 24. Oktober kommt er ins Kino.
Wem gehört ein Haus? Eine banale Frage, sollte man meinen. Eben der Person, die im Grundbuch steht. Oder, was die Urheberschaft anbelangt, der Architekt*in, die es erbaut hat. Im Falle von Eileen Grays Ferienhaus E.1027 an der Côte d’Azur liegen die Dinge ein wenig anders. Denn wir reden über kein gewöhnliches Haus, das 1926 bis 1929 in Roquebrune-Cap-Martin errichtet wurde. Wir reden über die Projektionsfläche der Moderne überhaupt, in der Anerkennung, Neid, Übergriffigkeit, Vergessenheit und Chaos ineinandergreifen. Kurzum: ein Stoff wie gemacht, um den Sprung aus der Wirklichkeit auf die Leinwand zu meistern.
Halb Dokumentation, halb Spielfilm
Im Film nimmt einen Eileen Grays innere Stimme mit auf eine Reise, die die Grenzen zwischen einem abstrakten Innenraum und einem eher architektonischen Atelierraum überschreitet, um schließlich in der Villa E.1027 zu enden. Archivmaterial webt den historischen Kontext ein. Und ganz am Ende sind Ausschnitte aus einem Interview mit dem irischen Fernsehen aus dem Jahr 1975 zu sehen, dem einzig bekannten Filmmaterial von Eileen Gray. „Wir haben uns entschieden, mit Schauspieler*innen zu arbeiten, um den drei Hauptfiguren in dieser Geschichte nicht nur eine Stimme, sondern auch einen Körper zu geben. Wir haben nicht nach einer Eins-zu-eins-Darstellung gesucht, sondern nach einer abstrakteren, freieren Interpretation“, erklärt Beatrice Minger, Regisseurin von E.1027 – Eileen Gray und das Haus am Meer.