Digitale Lehre mit „#baukofüralle“: Konstruktion als Kurzfilm

Unter dem Titel „#baukofüralle – Grundlagen der Baukonstruktion“ haben Ansgar und Benedikt Schulz im Rahmen ihrer Professur für Entwerfen und Konstruieren an der Fakultät Architektur der Technischen Universität Dresden ein digitales Lehrangebot entwickelt, mit dem sie über knappe Video- und Audioformate konstruktive Grundlagen architektonischer Elemente vermitteln.

Technische Universität Dresden

kl | 27.07.2022

Für viele Architekturstudierende stellt es eine Herausforderung dar: Das Fach Baukonstruktion. Komplexe Zusammenhänge, unbekannte Systeme und viele Berechnungen können wie ein scheinbar nicht zu bewältigender Berg an Lernstoff wirken. Prof. Ansgar Schulz und Prof. Benedikt Schulz, haben es sich bereits 2015 zur Aufgabe gemacht, die Inhalte ihrer Vorlesungen zum Thema Baukonstruktion an der Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen der Technischen Universität Dresden über einen niederschwelligen Weg jederzeit für ihre Studierenden zugänglich und nachhaltig verständlich zu machen. Mit dem Projekt „#baukofüralle“ erstellen sie Lehrfilme, die ausgehend von den Grundlagen der Plandarstellung Themen der Maßordnung, Struktur, Fügung, Form, Material und die Gestalt von Konstruktionen erklären.

Trailer Grundlagen der Baukonstruktion, Video: Schulz und Schulz Bauko

Individuelle Lernansprüche fördern

Entwerfen und Konstruieren baut aufeinander auf, vom großen Ganzen bis ins kleine Detail. Daraus resultiert ein umfangreicher Inhalt, den es im Studium zu vermitteln gilt. In der Entwurfs- und Konstruktionslehre werden anfangs grundlegende Fakten vermittelt, wie zum Beispiel, welche Funktionen und Eigenschaften dem Bauteil Wand zugeschrieben werden, welche Konstruktionsarten dabei möglich sind oder wie Übergänge zu anderen Bauteilen herzustellen sind. Aus ihrer Arbeitserfahrung an der Universität heraus, hat sich für Schulz und Schulz gezeigt, dass die Studierenden, die ihre Vorlesung besuchen, äußerst unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Ob Abiturient*innen ohne Vorkenntnisse oder Bezügen zur Architektur bis hin zu bereits ausgebildeten Bauzeichner*innen oder Personen mit mehreren Jahren Berufserfahrung – alle sitzen im gleichen Hörsaal. Um diesen individuellen Lernansprüchen gerecht zu werden, stellten die Professoren im Wintersemester 2019/20 ihre klassische Präsenzlehre auf einen sogenannten „Flipped Classroom“ um: Einen „umgekehrten Unterricht“, in dem sich die Studierenden selbstständig die Lerninhalte aneignen um sie dann im Präsenzunterricht anzuwenden und zu besprechen.

„Diese Art der digitalen Lehre hilft uns und den Studierenden, die Differenzen in den Wissensständen auszugleichen, ohne die einen zu langweilen und die anderen zu überfordern.“ Ansgar Schulz und Benedikt Schulz
Vorlesung 23 - 2: Gebäudetechnik, Video: Schulz und Schulz Bauko

Vorlesung mit Komprimierungsfaktor 5

In einer klassischen Vorlesung, lassen sich einzelne Themen zwar sehr ausführlich formulieren, jedoch wird diese erst durch Unterstützung von Bewegung und Interaktion lebhaft. Daher funktioniert diese Art der Vorträge besser in Präsenz und lässt sich nicht durch eine einfache Aufnahme ins Digitale übersetzen. Generell fiel den beiden Hochschullehrenden auf, dass viele Studierende häufig im Nachgang des Präsenzunterrichtes Tutorials, beispielsweise auf YouTube nutzen um gezielt Stoff nachzubereiten und Wissenslücken zu schließen. Um die angehenden Architekt*innen in ihrer Prüfungsvorbereitung und bei konkreten Fragestellungen unterstützen zu können, wollten Prof. Ansgar Schulz und Prof. Benedikt Schulz ein Format für die Inhaltsvermittlung entwickeln, welches jederzeit und gezielt abrufbar ist - bestenfalls bereits in alltäglichen Situationen wie auf der Bahnfahrt zur Uni. Sie kreierten daher Videos mit dem Inhalt ihrer Vorlesung mit einem Komprimierungsfaktor 5. Das bedeutet die Vorlesungen werden zeitlich heruntergebrochen um nicht den Rahmen der Aufmerksamkeitsspanne sprengen. Im „Flipped Classroom“ stellten sie die Blöcke der Vorlesung auf diese Videosequenzen um, die entsprechend der Lernbedürfnissen angeschaut werden konnten. Passagen können beispielsweise übersprungen oder bei Unverständnis mehrmals angesehen werden.

„90 Minuten Vorlesung kann man durch 5 teilen. Das heißt 18 Minuten Film. Spätestens nach 6 Minuten spulen die Leute den Film aber weiter. Das heißt: Wir brauchen zwei Filme für den Stoff einer Vorlesung.“ Benedikt Schulz
Vorlesung 14 - 5: Fassade zweischalig, Video: Schulz und Schulz Bauko

Wachsender Medien-Pool an Wissen

Entstanden sind bereits über 140 Lehrfilme und es werden stetig mehr. Die Tutorials sind für alle Interessierten über „#baukofüralle” auf Vimeo und Instagram frei zugänglich. In der Lehre ergänzen die Macher die Tutorials durch Übungen, Podcasts und E-Assessments. Im Podcast werden zudem besondere Fragen der Studierenden individuell beantwortet und thematisch ausgeführt. Das Projekt wird im Rahmen der „Digital Fellowships”  vom Bildungsportal „Sachsen/SMWK” gefördert.