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Januar / Februar 2024

Universität Stuttgart

Torf. Nebel. Mystik.

Ein Moorbad am Wurzacher Ried

von Oscar Kaag

Hochschule:

Universität Stuttgart

Abschluss:

Master

Präsentation:

19.05.2021

Lehrstuhl:

Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens, Prof. Dipl.-Ing. Markus Allmann

Rubrik:

Freizeit- und Sportbauten

Software:

Vectorworks, Rhino, Vray, Photoshop

Moorgebiete gibt es hierzulande viele, geschätzt wurden sie lange Zeit aufgrund ihrer sumpfigen Böden, die nicht zur Landwirtschaft taugen, jedoch kaum, weshalb sie zum Torfabbau trockengelegt wurden. Dabei bieten Moore nicht nur atmosphärische Landschaften und beherbergen spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, sie sind auch nützlich für das Klima: Obwohl sie nur drei Prozent der weltweiten Landmasse bedecken, speichern sie ein Drittel des globalen Kohlenstoffvorkommens in ihren Torfschichten. Daher gelten sie mittlerweile als besonders schützenswert. Zudem existieren bereits seit Jahrhunderten Berichte über die gesundheitsfördernde Wirkung von Badetorf, die sich mit der Nutzung von Thermalwasserquellen zu einem elementaren Bestandteil der Bäderheilkunde entwickelte. Die Verwendung von Torf zu medizinischen Anwendungen steht zwar zunächst im Konflikt mit dem Moorschutz, doch es werden vergleichsweise geringe Mengen benötigt, die zudem regenerationsfähig sind, wodurch ein umweltschonender Moorkreislauf entsteht. Daraus resultieren die Anknüpfungspunkte für den Entwurf: Die Landschaft im Sinne der Erholung zu nutzen und das Moor in Takt zu lassen. In einer unaufgeregten Atmosphäre soll sich die nachgewiesene, entspannende Wirkung einer Moorbehandlung ganzheitlich entfalten. Der Entwurf knüpft an das bestehende Wegenetz als ein Steg ins Moor an, der sich in einer etwas abgelegenen Umgebung am Rande des Wurzacher Riedes, dem größten Hochmoorgebiet Europas, befindet. Gegründet auf einem Unterbau aus Pfählen und als freigestelltes Bodenrelieff ausgebildet, sind auf dem Steg durch Überhöhungen und Vertiefungen die Nutzungsbereiche angeordnet. Durch die Größenanforderung der einzelnen Bereiche ergibt sich eine Segmentierung, die durch querstehende Baukörper in Holzblockbauweise definiert ist. Zusammengebunden werden Plattform und Baukörper von einem Pfettendach, das mit Fuß- und Firstpfetten auf den Blockbaukörpern aufliegt. Die Moorküche, in welcher der angelieferte Badetorf weiterverarbeitet wird, hat den Charakter einer Schauküche, welche die Torfaufbereitungsprozesse einsehbar macht. Im Anwendungsbereich sind die konischen, geschlossenen- und damit den völligen Rückzug während der Moorbehandlung ermöglichenden- Moorbadekörper frei angeordnet, sodass sich dieser in einen Warte- und einen Nachruhebereich gliedert. Das steil geneigten Reetdach, in Längsrichtung von einem Oberlicht durchzogen, beschützt den großvolumigen Innenraum. Die Motivation für die Blockbauweise liegt in der Wärme, die durch die Massivität des Materials ausgestrahlt wird. Das strukturelle Prinzip der geschichteten Holzbalken lässt spezifische Öffnungsformen entstehen, zudem bilden die Fügungspunkte ein ablesbares Ornament ab. Für den Bodenbelag ist neben Holz der Naturstein Nagelfluh das gestaltbildende Material. Mit der Verwendung natürlicher Materialien wie Holz, Naturstein und Schilf, ergibt sich ein Erscheinungsbild, das durch regionale Materialien charakterisiert ist.
Text von Oscar Kaag.