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4, 2005

Stuttgart, Uni

Saarbrücken E6 – Zum Phänomen der Peripherie

von Isabel Finkenberger

Hochschule:

Stuttgart, Uni

Präsentation:

Oktober 2005

Lehrstuhl:

Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (IGMA), Prof. Wolfgang Schwinge<br>Städtebau-Institut (SI), Prof. Johann Jessen

Rubrik:

Städtebau

Software:

In einer theoretischen Vertiefungsarbeit Saarbrückenstadtlandschaft wurde zunächst die Entwicklung der Stadt Saarbrücken unter den Aspekten Topographie, Stadtplanung und Wohnungsbau, Arbeit, Mobilität und Grenzraum untersucht. Zudem wurden aktuelle Texte und Projekte zum Thema Suburbanisierung und Schrumpfung aufgearbeitet. Mit Hilfe von statistischen und morphologischen Kartierungen wurden anschließend drei Szenarien für Saarbrücken entwickelt , welche je nach politischer Schwerpunktsetzung die Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Stadtteile aufzeigen. Die Diplomarbeit greift die Themen der Vertiefungsarbeit auf und versucht, eine modellhafte Herangehensweise für periphere Stadtlandschaften zu entwickeln. Die Art der Betrachtung in Teilmodellen kann theoretisch auf jedes beliebige Planquadrat angewendet werden. Die aus der morphologischen Analyse entwickelten Leitbilder und Strategien sind in ihrer Summe jedoch als raumspezifisch anzusehen. Es wird zudem ein Zusammenhang zwischen den Formen der Betrachtung und den Formen der gesehenen Dinge vorausgesetzt, nach dem die Art der Betrachtung die jeweiligen Schlussfolgerungen bestimmt. Die Arbeit war demnach auch ein Versuch, neue Kategorien der Betrachtung und der Darstellung zu entwickeln.

Die klassische Europäische Stadt hat einen Bedeutungswandel erfahren und ist zu einem Bestandteil einer wesentlich umfassenderen Agglomeration geworden. // Die entstandene Stadtlandschaft ist ein komplexes System, welches mehr als die Summe seiner Teile ist. // Eine Reduktion des Stadtgefüges auf eine konzentrierte Form wäre eine logische Konsequenz von Schrumpfung. // Die Rückkehr zur Kernstadt ist jedoch weder strukturell noch gesellschaftlich möglich. // Urbanität durch Dichte?

Das Planquadrat E6 ist zwischen städtischem und ländlichem Siedlungsraum des Saarbrücker Stadtgebiets gelegen. Ziel ist die Entwicklung einer nachhaltigen Strategie für diesen Raum in Reaktion auf die dort immanenten Phänomene der Suburbanisierung und der Schrumpfung. Die Brache und der aktuell noch genutzte Lagerplatz der ehemaligen Halberger Hütte stellen das Zentrum der Betrachtung dar.
Aspekte von Wohnen, Transit, Versorgung und Landschaft, allesamt grundlegende Faktoren von Stadtentwicklung, wurden anhand morphologischer Kartierungen vertiefend untersucht. Das Verständnis der jeweiligen Eigenlogik und des Wirkungsgrades dieser Teilmodelle und deren Manifestation im, bzw. deren Bezug zum Raum, ist die Ausgangsvoraussetzung für die Entwicklung von Leitbildern. Diese können den suburbanen Raum von Saarbrücken E6, im Gegensatz zur Europäischen Stadt zunächst „bildlos“, langfristig qualifizieren. Der Raum wird zu einem Experimentierfeld für eine Entwicklung, die ihm nachhaltige Bedeutung verleihen und ihn langfristig als Standort sichern kann. Sicherung umfasst dabei sowohl Begriffe wie Wachstum und Entwicklung bzw. Ausbau von Synergien als auch Umstrukturierung und Rückbau von Strukturen. Die Strukturplanung mittels der drei Strategien Wohnen, Sport und Energie setzt dabei auf die gleichzeitige Entwicklung fester Faktoren und unbestimmter Größen, die zum Teil flexibel auf Veränderungen reagieren können. Die Mehrfachkodierung von Strukturen, sowohl programmatisch als auch durch die Addition unterschiedlicher Maßstabsebenen, sowie die Zugänglichkeit und Öffnung von Räumen spielen dabei eine grundlegende Rolle.