Platz 19
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September / Oktober 2014

Universität Kassel

EX MARE

Neunutzung einer Festungsanlage auf Sardinien

von Chris Volkmer

Hochschule:

Universität Kassel

Abschluss:

Master

Präsentation:

27.09.2013

Lehrstuhl:

Prof. Claus Anderhalten

Rubrik:

Bildungsbauten

Software:

ArchiCAD, Cinema 4D, Photoshop

„Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag.
Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“
-Konfuzius

Hintergrund:
Die Art, wie der Mensch fischt um sich zu ernähren, hat sich seit der Zeit des Konfuzius deutlich weiterentwickelt und bringt im Zuge dessen einige Schwierigkeiten mit sich. Vor allem die Effektivität, mit der große Mengen an Fisch aus dem Meer entnommen werden können, führte innerhalb der letzten Jahrzehnte dazu, dass weite Teile des Ökosystems Meer an die Grenzen ihrer regenerativen Fähigkeiten geführt wurden. Die gängige Art, die Meere zu bewirtschaften, reicht schon lange nicht mehr aus, die wachsende Nachfrage nach Speisefisch innerhalb der menschlichen Bevölkerung nachhaltig zu befriedigen.
Die für dieses Problem angewandte Lösung ist die gezielte Aufzucht von Fischen in Aquakulturen, in denen mittlerweile die Hälfte der konsumierten Fische gezüchtet werden. Doch die Aufzucht von Fischen in künstlichen Habitaten birgt wieder neue Probleme und auf Grund mangelnder Alternativen können viele dieser Probleme nicht umgangen werden. Auch derzeitige Aquakulturen belasten die Meere weiterhin. Es besteht also eine immer größer werdende Not, in diesem Bereich wissenschaftliche Erkenntnisse zu sammeln, aus denen dann nachhaltige Lösungen für die vielen Probleme generiert werden müssen. Aus diesem Grund werden in vielen Ländern, besonders in den letzten Jahren, Forschungseinrichtungen gebaut, welche die Grundlage bilden sollen, diese Lösungen finden zu können, damit die Qualität und die Biodiverisität der Meere auf diesem Planeten gewährleistet werden kann, ohne dass der Mensch auf den Konsum von Fisch verzichten muss. Im Rahmen dieser Arbeit wurde eine Idee entwickelt, wie eine Einrichtung für Aquakultur-Forschung gestaltet werden kann, um die aktuellen Bedürfnisse zu decken und dabei Möglichkeiten zu wahren, auf zukünftige Veränderungen baulich reagieren zu können.

Lage:
Als Standort wurde eine alte Festungsanlage am Rande eines Sardischen Archipels gewählt, welche seit Ende des 2.Weltkrieges ungenutzt verfällt. Italien ist einer der größten Produzenten von Aquakultur-Fischen in Europa, besitzt im Vergleich zu anderen Ländern Europas jedoch kaum Einrichtungen, die in diesem Bereich forschen. Die Abgeschiedenheit und Naturnähe des Ortes werden als qualitative Aspekte in den Entwurf eingepflegt. Forscher werden an diesem Ort über die Woche hinweg wohnen und arbeiten, dabei werden aktuelle Forschungsergebnisse nicht nur in Seminaren vorgestellt ( Zusammenarbeit mit den Fachbereichen für maritime Wissenschaften, Biomedizin und Pharmazie der beiden Sardischen Universitäten) sondern auch der Öffentlichkeit in einem separaten Gebäude in Form von Ausstellungen zugänglich gemacht.

Konzept:
Das Hauptgebäude des Entwurfs, die Forschungseinrichtung, wird auf den bestehenden Steg im Hafenbereich der Festung positioniert, so dass ein Teil des Gebäudes über den Steg und der andere über dem Meereswasser ragt. Dadurch werden verschiedene Aspekte des Grundstücks für das Gebäude nutzbar. Zum einen der Steg mit seinen bestehenden Schienenwerk für Transport und Versorgung und zur Vernetzung mit den übrigen Hafengebäuden, zum anderen können größere Becken und ganze Arbeitsbereiche so platziert werden, dass die Gegebenheiten des Meeres genutzt werden können, um für diese Funktionen einen Mehrwert zu generieren. Zudem bleibt das Gebäude in Richtung des Meeres für zukünftige Erweiterungen flexibel.

Klima:
Um mit einem möglichst geringen energetischen Aufwand ein behagliches Innenraumklima über das ganze Jahr hinweg zu gewährleisten und das Klima der einzelnen Funktionen des Gebäudes natürlich regulierbar zu machen, müssen die für einen Skelettbau scheinbaren Nachteile durch die klimatischen Bedingungen des Ortes zu Vorteilen gemacht und genutzt werden. Da die Sonne in den heißen Monaten sehr steil einstrahlt ( bis 72°), würde der größte Anteil des Wärmeeintrags durch Sonneneinstrahlung über das Dach generiert. Hier wird, wie schon beschrieben, eine zweischalige Dachhaut ausgebildet, hinter der der Wind ausreichend Platz findet um die aufgeheizte äußere Hülle abzukühlen und die Wärmetransmission auf die innere Hülle zu verhindern. Auf allen Seiten des Gebäudes gibt es vor Sonne schützende Auskragungen von 2,16m Tiefe und eine davor angebrachte, halbtransparente Fassade, welche zusätzlich auf einem Streifen in Längsrichtung auf dem Dach angebracht ist und die Innenräume vor direkter Sonneneinstrahlung schützt. Die geschlossenen Bereiche werden in der Mitte des Gebäudes von einer der Witterung ausgesetzten Fuge geteilt, diese stellt eine klimatische Zwischenzone dar, welche indirektes Sonnenlicht von oben in das Gebäude einstrahlen lässt, wodurch alle Funktionen beidseitig belichtet werden können. Zudem sorgt diese Fuge auch für eine natürliche Luftzirkulation. Die Luft, die unter dem aufgeständertem Gebäude durchströmt, kann in diesem Raum nach oben durch das Dach entweichen und die Abluft der einzelnen Bereiche mit nach außen befördern. Alle Bereiche (außer geschlossene Laboratorien) können über diese Art natürlich belüftet werden, wobei die Zuluft über die andere an den Außenraum grenzende Fassade der jeweiligen Funktion einströmen kann.